64-Bit in Mobile Devices

Apple präsentierte vor wenigen Wochen eine neue 64-Bit Umgebung (Prozessor und Software). Die Einführung hat zu einer sehr kontroversiellen Diskussion geführt und reichte inhaltlich von „Marketing-Gag“ bis hin zu „next Big Thing“.
In einem schon etwas älteren, aber sehr instruktiven und ausführlichen  Artikel, der anlässlich der Vorstellung der ARM 64-Bit Architektur erschien, werden die Vor- und Nachteile sowie Sinn und Unsinn dieses SoC ausgewogen dargelegt und erklärt (s. insb. S. 4): ARM Goes 64-bit

Update: Hier ein weiterer ausführlicher Artikel zum Thema: ARM64 and You

Geliebte Kinder führen als Erwachsene keine Kriege

Am Lehrstuhl für Internationale Politik und Außenpolitik der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln besteht eine interessante Publikationsreihe: Die Arbeitspapiere zur Internationalen Politik und Außenpolitik (AIPA).

In einem dieser Arbeitspapiere wird unter dem Titel „Als Kind geliebte Menschen fangen keine Kriege an: Plädoyer für einen offenen Blick auf die Kindheitsursprünge von Kriegen“ vom Autor Sven Fuchs (AIPA, 4/2012) eine interessante Perspektive im Bereich Kriegsursachenforschung aufgemacht. Er geht der Frage nach, welche politischen Auswirkungen Gewalt in der Kindheit von Menschen haben, die über die individuellen Folgen hinausgehen. Hier der Abstract des Arbeitspapiers:

Der Inhalt dieses Textes ist im Grunde so einfach zusammenzufassen, wie es bereits der Titel andeutet. Gewalt gegen Kinder hat Folgen, nicht nur individuelle, sondern auch politische. Erstere sind weitgehend erforscht. Mit den politischen Folgen der Gewalt tut sich – so mein Eindruck – die Wissenschaft aber auch die Öffentlichkeit dagegen schwer. Das große Ganze, die Nation und die Gesellschaft, ist mehr als seine einzelnen Teile. Das stimmt sicherlich. Doch was ist, wenn die Mehrheit dieser Teile als Kind Gewalt erfuhr, statt Liebe und Geborgenheit? Was ist, wenn sogar ein erheblicher Anteil besonders schwere Gewalt erfuhr? Ein solcher Gesellschaftszustand stellt das grundlegende Fundament dar, auf dem gewaltvolle politische und soziale Konflikte und auch Kriege überhaupt entstehen können, was ich im Textverlauf darstellen werde.

Lesenswert.

diaphanes – TransPositionen

Wer sich für gegenwärtige französische PhilosophInnen und SoziologInnen zu den Themen Europa, Philosophie und Politik interessiert, der kommt um die Reihe TransPositionen im diaphanes Verlag nicht umhin.

diaphanes – TransPositionen

Die Reihe TransPositionen verfolgt den internationalen Transfer theoretischer Positionen mit sozialer und politischer Relevanz: In den TransPositionen erscheinen zeitgenössische Werke bedeutender Philosophen und Denker, die sich ausdrücklich im Spannungsfeld zwischen philosophischer Debatte und gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen situieren.

Toller Verlag, tolle Übersetzungsreihe.

Delaney, David (2005); „Territory. A Short Introduction“

Der Autor des vorliegenden Textes versucht sich an einer überblicksähnlichen Darstellung verschiedener sozialwissenschaftlicher Herangehensweisen an Territorium. Sein Ausgangspunkt ist das – seiner Meinung nach – alltäglicheVerständnis des im Zentrum stehenden Begriffs: „Territory, according to common understandings, promotes peace through certainty by clearly defining and delineating the workings of power.“[1] Diese stabilisierende Funktion wird Territorium durch dessen Abgrenzung und Definition von Souveränität gegenüber anderen verliehen. Frei nach dem Motto: „Good fences make good neighbors.“[2] Dementsprechend ist diese Komponente natürlich auch zentrales Charakteristikum, und nach wie vor fundamentales Prinzip internationalen Rechts.

Delaney listet die sehr offensichtlichen Funktionen von und Zuschreibungen zu eingegrenzten Territorien auf; so zum Beispiel Territorium als Ausschlussprinzip, die Legitimierung kriegerischer Auseinandersetzungen, die Organisation sozialer Verhältnisse, die gesellschaftliche Zusammenfassung menschlicher Individuen, etc..


[1] Delaney, David; S. 1

[2] Delaney, David; S. 1

Delaney, David (2005); „Territory. A Short Introduction“ weiterlesen

Sassen, Saskia (2006); „Territory. Authority. Rights. From Medieval to Global Assemblages“

In einleitenden Überlegungen zu vorliegendem Werk kritisiert Sassen zwar die ungebrochene Dominanz des Nationalstaates in den Überlegungen sozialwissenschaftlicher Theoretiker, räumt aber im selben Atemzug ein, dass – im Gegensatz zum modernen demokratischen Nationalstaat – globale Institutionen einfach nach wie vor unterentwickelt sind. Dementsprechend relevant ist dieser Akteur auch in folgenden Gedankengängen zu Territorium, Herrschaft und Recht.

Alle diese Konzepte sind – wie zum Beispiel auch Ökonomie und Sicherheit – und werden auf der Ebene des Nationalen konstruiert; und so spielt diese Ebene selbst im Kontext der so genannten und viel zitierten denationalisierenden Prozessen eine wesentliche Rolle. „A good part of globalization consists of an enormous variety of micro-processes that begin to denationalize what had been constructed as national […]. Sometimes these processes of denationalization allow, enable, or push the construction of new types of global scalings of dynamics and institutions; other times they continue to inhabit the realm of what is still largely national.”[1]


[1] Sassen, Saskia; S. 1

Sassen, Saskia (2006); „Territory. Authority. Rights. From Medieval to Global Assemblages“ weiterlesen

Dear, Michael/ Wolch, Jennifer (Hrsg.) (1989); „The Power of Geography. How Territory Shapes Social Life“

Im vorliegenden Sammelband, welcher sich selbst im Grenzland zwischen Soziologie und Humangeographie ansiedelt, geht es den Herausgebern und Autoren darum, Gesellschaftstheorie zu rekonstruieren, um die Vielfältigkeit gesellschaftlich-räumlicher Prozesse erfassen zu können; und das im Lichte der Erhellung, die das Richten des Fokus auf die Mechanismen der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft mit sich bringen soll: „society as a ‚time-space fabric’ upon which are engraved the processes of political, economic, and socio-cultural life.“[1]

 

Dear, Michael/ Wolch, Jennifer (Hrsg.) (1989); „The Power of Geography. How Territory Shapes Social Life“ weiterlesen

Harvey, David (1984); „On the History and Present Condition of Geography: An Historical Materialist Manifesto“

Es liegt hier also ein Text vor uns, dessen Veröffentlichung schon mehr als 20 Jahre in der Vergangenheit liegt. Als Solche in einer realpolitisch und sogar ideengeschichtlich schon relativ weit zurückliegenden Phase der Feder des bekannten Sozial-Geographen David Harvey entsprungen, sind diese Gedanken vor allem aber im Kontext von dessen persönlicher wissenschaftlicher Entwicklung heute mit Vorsicht und einigem Abstand zu genießen.

Im Prinzip geht es ihm um – wie die Überschrift unschwer vermuten lässt – den gegenwärtigen Stand „seiner“ Disziplin, der Geographie. Es lässt sich von Anfang an eine Art Plädoyer für eine Einbeziehung der historischen sozio-ökonomischen Bedingungen von gesellschaftlicher Entwicklung in die geographische Herangehensweise erahnen. Dieser Annahme wiederum würde der Anspruch eines materialistischen Manifests im Titel entsprechen.

Harvey, David (1984); „On the History and Present Condition of Geography: An Historical Materialist Manifesto“ weiterlesen

Lotman, Jurij (1970); „Künstlerischer Raum, Sujet und Figur“

Lotman versucht in seinem Text dem Raum der Literatur und Kunst nachzugehen. Lotmans Abhandlung ist insofern von Relevanz als er den „symbolischen Raum der Literatur nicht mehr ausgehend vom originären Zentrum eines reflexiven Erfahrungssubjektes“[1] fasst, sondern an die Stelle bewusstseinsphilosophischer und medienanthropologischer Metareflexion tritt bei Lotman der Raum als Erzeugnis kulturell bestimmter Zeichenverwendungen. Dadurch hebt sich Lotman klar von den subjektsbezogenen Ansätzen eines Schmarsows oder Herrmanns ab.


[1] Lüdeke, Roger (2006): Ästhetische Räume. Einleitung. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 457

Lotman, Jurij (1970); „Künstlerischer Raum, Sujet und Figur“ weiterlesen

Herrmann, Max (1931); „Das theatralische Raumerlebnis“

Herrmanns Überlegungen zum „theatralischen Raumerlebnis“ kann als zentrales Gründungsdokument einer Theaterwissenschaft verstanden werden, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegenüber der Literaturwissenschaft programmatisch für unabhängig erklärte. Herrmann distanziert sich von der klassischen Vorstellung, dass der theatralische Raum mit dem Bühnenraum und der dramatische Raum des theatralischen Textes als Aufführungsgrundlage identisch ist. Dadurch gelingt Herrmann die Abgrenzung zur klassischen positivistisch-quellengeschichtlich geprägten Theatergeschichte dessen vorrangiges Interesse den geschichtlich variablen Formen des Bühnen- und Besucherraums gilt. Herrmann, Max (1931); „Das theatralische Raumerlebnis“ weiterlesen

Cassirer, Ernst (1931); „Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum“

Cassirer versteht Raum und Zeit als die beiden zentralen Komponenten „des architektonischen Baues der Erkenntnis“[1] überhaupt. Erkenntnis kann erst dann gewonnen werden, wenn die Wahrnehmung der gegenwärtig in der Welt befindlichen Dinge um die Miteinbeziehung der geschichtlichen Relevanz von Raum und Zeit für das Wie eben dieser Objekte/Welt ergänzt wird. Je tiefer die Erkenntnis in die Strukturen von Raum und Zeit eindringt, desto eher erfasst sie ihre eigenen Voraussetzungen und Prinzipien; dabei sind Raum und Zeit gegenständliches Korrelat und Gegenhalt zu der Erkenntnis.

Um diese Einsicht zu bestätigen und zu erweitern, schlägt Cassirer vor, verschiedene Grundformen geistiger Gestaltung unter die Lupe zu nehmen – eben im Bewusstsein dessen, dass vorderhand die Grundfrage nach Form von Raum und Zeit geklärt oder zumindest gestellt werden muss. Die Kunstwissenschaft muss also Wesen des Raums und räumlicher Darstellung klären.

Am Beginn steht „die räumliche Vorstellung im allgemeinen und die Formvorstellung als die des begrenzten Raumes im besonderen“[2] als – im Wesentlichen – Realität, da Mensch sich auf diese Art und Weise in der Außenwelt orientiert.


[1] Cassirer, Ernst; S. 485

[2] Cassirer, Ernst; S. 486

Cassirer, Ernst (1931); „Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum“ weiterlesen