Weichhart, Peter (1999); „Die Räume zwischen den Welten und die Welt der Räume“

 

Eingedenk dessen, „wie sehr wir in unserer Auseinandersetzung mit der Realität […] von unseren kognitiven Konstrukten und unserer Sprache bestimmt werden“[1], geht der Autor Peter Weichhart im vorliegenden Artikel auf die Konzeption eines, wenn nicht des(!) Schlüsselbegriffes der Geographie ein; Raum. Er tut diesen Schritt primär aus der Sicht eines Geographen, bereitet die relevanten Ansätze jedoch sehr disziplinenübergreifend anschlussfähig und für Vertreter (anderer) Sozialwissenschaften nicht nur verständlich sondern auch nutzbar auf.

 

Grundlage seiner hier dargelegten Überlegungen ist die Einbettung in den Kontext des diesen Artikel beherbergenden Sammelbandes zur handlungsorientierten Sozialgeographie Benno Werlens’. Werlen ist jener Vertreter der Human- und/oder Sozialgeographie, der das Projekt der subjektzentrierten Handlungstheorie als konzeptionelle und methodische Grundlage für seine Disziplin am weitesten vorantrieb. Werlen fordert eine grundlegende Umorientierung des geographischen Tatsachenblicks. Seine Sozialgeographie der alltäglichen Regionalisierungen soll eine Neuformulierung des Raumbegriffes ermöglichen bzw. anbieten.

 

In der geographiewissenschaftlichen Sekundärliteratur wird in diesem Zusammenhang oft vom Raum-Exorzismus gesprochen. Weichhart verweist diesbezüglich auf Zierhofer, der die Verfechter dieses Anspruchs in zwei Ausprägungen, eine starke und eine schwache Form, aufteilt. Proponenten letzterer verlangen „lediglich“, „bei der Darstellung und Analyse sozialweltlicher Phänomene die klassische Raum-Semantik durch eine geeignete Redeweise zu ersetzen“[2], also ein Überdenken der Begrifflichkeiten. Soziale und kulturelle Gegebenheiten sollen anhand von sozialwissenschaftlichen Begriffen erfasst werden. Werlen lässt sich in diese Gruppe einordnen, da er die Relevanz der Bedeutung räumlicher Aspekte von Handlungskontexten für die Gesellschaft klar erkennen lässt und ausdrücklich betont.

 

Bevor Weichhart auf die in der aktuellen wissenschaftlichen Debatte zur Verfügung stehenden Raumkonzeptionen eingeht, stellt er einige ontologische Vorüberlegungen an, die ihm in der vorliegenden methodologischen Beschäftigung als unerlässlich erscheinen.

 

Die klassischen geographischen Konzepte von Räumen und Regionen hatten vorderhand die zentrale Funktion, eine substantialistische Brücke zwischen Natur und Kultur zu schlagen, und diese Verbindung zu formulieren. Räume wurden dementsprechend als Substanz, als reale Dinge aufgefasst. Das Konstitutionsprinzip dieser greifbaren Räume war der jeweilige sinnlich wahrnehmbare Wirkungszusammenhang verschiedener Geofaktoren.

 

Doch sehr bald regte sich erste Kritik an dieser Art von Konzeption. Es kam – in den 1940ern, 50ern und 60ern – zu einem Frontalangriff auf die klassische Methodologie; einige Geographen machten sich daran, den vorherrschenden Raumfetischismus durch die oben erwähnte harte Form des Raumexorzismus auszutreiben. Sie kritisierten, dass der alte Landschaftsbegriff – inhaltlich kaum verändert – einfach durch die Begriffe Raum und Region ersetzt werden sollte. Es entwickelte sich ein disziplineninterner Diskurs rund um die Ent-Räumlichung der Geographie.

 

Was in jedem Fall ganz offensichtlich aus der Debatte herauszulesen ist, ist ein „’großer Bedarf’ nach einer ontologischen Unterscheidung zwischen (subjektivem) Sinn, Materie und Sozialem“[3]. Die primäre Intention der meisten Vertreter jeglicher Form von Raumexorzismus ist also gar nicht der Raum als solcher, sondern das Verlangen, jedwede Möglichkeit deterministischer Annahmen zwischen diesen drei Welten vorwegzunehmen. Weichhart argumentiert mit Popper, wenn er dieses Verlangen mit dem menschlichen Interesse an möglichen Auswirkungen von Ideen, Plänen, Theorien, Absichten, etc. auf die physikalische Welt erklärt. Die Geographie stellt sich also die Frage, wie „man zu einer indeterministischen Behandlung der Frage nach dem Zusammenhang zwischen ‚Sinn und Materie’ gelangen“[4] kann. 

 

Geht man davon aus, dass materielle Dinge mehr als nur Zeichen sind, dass sie strukturelle, funktionelle und physiologische Qualitäten besitzen, die sich einer exklusiv semantischen Analyse entziehen, muss der Sozialwissenschaftler (wie jeder andere) eingestehen, dass wir es ganz einfach gewohnt sind, je verschiedene Sprachen für die Beschreibung der jeweiligen „Bewohner“ der drei Welten zu verwenden. Diese Differenz erschwert das Verständnis betreffend die Verbindungen zwischen diesen natürlich um ein Vielfaches.

 

(Nicht nur) für eine individuumszentrierte Sozialgeographie[5] macht es augenscheinlich Sinn, von der Annahme einer durchgängigen Realität auszugehen, sprich die angesprochenen drei Ebenen zwar analytisch weiterhin voneinander zu trennen, sie jedoch „nicht als unterschiedliche Existenzweise, sondern als ‚unterschiedliche Erscheinungs- oder Organisationsform derselben Realität’“ zu interpretieren. 

 

Weichhart erachtet es als unbedingt erforderlich, methodische Instrumente zur Verfügung zu stellen, die eine Lokalisation materieller und hybrider Phänomene (da beispielsweise sehr vielen Handlungsakten Elemente der Welt 1 – also Mittel, materiale Grundlagen, Werkzeuge, o.ä. – zugrunde liegen) ermöglichen. Der Schluss daraus verrät also seine Überzeugung, dass eine handlungstheoretisch konzipierte Geographie nicht auf Raumkonzepte verzichten wird dürfen. 

 

 

 

Raumkonzepte

 

An diesem Punkt beginnt der Autor eine „Inventur“ des raumkonzeptionellen Bestandes der Geographie. Am Ende seiner Erläuterungen werden es sechs Bedeutungszuschreibungen zum Raumbegriff sein, denen er jeweils verschiedene Relevanz für die Sozialwissenschaften und/oder die Geographie einräumt.

 

Raum 1: Die erste Bedeutung des Wortes Raum bezieht sich auf die – für Nicht-Geographen vielleicht klassische geographische – Funktion, einen Teilbereich der Erdoberfläche begrifflich abzustecken; im Sinne eines Erdraumausschnitts. Weichhart betont, „dass dieses Raumkonzept immer dann völlig problemlos eingesetzt werden kann, wenn damit tatsächlich nicht mehr gemeint ist als ein Art flächenbezogener Adressenangabe, und die Abgrenzung rein pragmatisch erfolgt“[6]. Die Erweiterung dieses Konzepts durch jegliche zusätzliche Inhaltskomponente stellt allerdings ein nicht zu unterschätzendes Problem dar.

 

Raum 2: In der Erläuterung der zweiten Bedeutung von Raum bedient sich der Autor bei dem – uns bereits bekannten – Containerraum von Newton. In dieses dreidimensionale Behältnis ist alles Materielle eingebettet; nimmt man es heraus, bleibt der Raum über. Er existiert also unabhängig von seiner dinglich-materiellen Füllung. Objekte und Ereignisse, die in diesem unbegrenzten Raum vorkommen, zeichnen sich durch eine relative Position und Richtung aus.

 

Raum 3: Benutzer der dritten Bedeutungsvariante denken Raum als etwas durch immaterielle Relationen und Beziehungen Konstituiertes. Raum nimmt dabei eine ordnende Rolle ein, bietet „eine logische Struktur [an], innerhalb derer die gegebenen Elemente gedanklich eingepasst oder verortet werden“[7]. Im Gegensatz zu den ersten beiden Bedeutungen, fehlt dem hier vorliegenden Konzept die Gegenständlichkeit. Als Ordnungsraster wird diese Art von Raum vom jeweiligen Betrachter über die vorfindbare Realität gelegt. So kann er das, was er wahrnimmt durch Ordnungen, Hierarchien, Raster in eine geordnete Struktur bringen.

 

Raum 4: Die vierte Bedeutungsvariante streicht der Autor zwar gesondert hervor, gesteht aber ein, dass sie durchaus ein Teilelement der vorhergehenden (Raum 3) darstellt. Sie geht zurück auf Leibniz, dessen Raum des Koexistierenden ebenfalls ohne die Vorstellung eines leeren Raums (siehe Raum 2) auskommt; er wird vielmehr konstituiert durch die existierenden Lagebeziehungen zwischen den Dingen und Körpern. „Dadurch, dass materielle Dinge eine bestimmte Konfiguriertheit aufweisen, zueinander in bestimmten Lagerelationen stehen, benachbart, getrennt oder miteinander verbunden sind, kann so etwas wie ein funktionaler oder dynamischer Systemzusammenhang entstehen, der ohne diese spezifische Lagerungsqualität nicht eintreten würde“[8]. Weichhart plädiert dafür, diese Anschauung des Raumes durch den sprachlich korrekteren Begriff der Räumlichkeit zu ersetzen.

 

Raum 1e: Eine weitere Verwendungsweise des Wortes Raum bezieht sich auf den erlebten Raum. Es geht dabei um einen subjektiv wahrgenommenen Ausschnitt des Erdraums (deswegen auch die an Raum 1 ankoppelnde Nummerierung), der allerdings – in Gegensatz zu Raum 1 – inhaltlich aufgefüllt, mit subjektivem Sinn und subjektiver Bedeutung (gruppen- und kulturspezifische Werturteile, Zuschreibungen, o.ä.) aufgeladen wird. „Der erlebte Raum erscheint dem Menschen als der Inbegriff faktischer Realität, er repräsentiert gleichsam die integrale ‚Wirklichkeit’ der Außenwelt, der wir in unserer individuellen Existenz gegenüberstehen“[9]. Diese räumlich strukturierte Erlebnisgesamtheit, dieses kognitive Konstrukt repräsentiert und formuliert ein Gefüge von Meinungen und Zuschreibungen über einen Raum 1. Es handelt sich dabei also immer um ein selektives, verzerrtes, interpretiertes Bild der Realität. Diese Umdeutung von Beziehungen zwischen Dingen und Körpern zu einem Substanzbegriff bezeichnet man als Hypostasierung. Natürlich stellen derartige Räume oft eine Projektionsfläche für Identitäten o.ä. dar.

 

Diese spezifische, subjektiv gefärbte Interpretation der Realität wird in den alltäglichen Handlungsvollzügen der Individuen von ihnen dazu verwendet, „die jeweils vorfindbare Relationalität der Sach- und Sozialstrukturen ordnend zusammenzufassen und damit auch die Komplexität der Wirklichkeit zu verringern[10].

 

Raum 5: Die letzte Bedeutungsvariante erläutert Weichhart nur der Vollständigkeit halber – weswegen auch an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen wird; es handelt sich um jene epistemologische Konzeption von Immanuel Kant, deren Raum eine Form der Anschauung zur Organisation von Wahrnehmungsinhalten ist.

 

Neben dem durchaus als fatal zu bezeichnenden Versäumnis der Geographie, sich zwar auf ihren ureigensten Forschungsgegenstand Raum einstimmig als den(!) zentralen Untersuchungsgegenstand einigen zu können, für diesen aber keine kontinuierliche Definition oder zumindest Kategorisierung anzubieten, verortet Weichhart zwei weitere fundamentale Probleme für die Beschäftigung seiner Wissenschaft mit dem vorliegenden Begriff. Er glaubt, im Großen und Ganzen zwei schwerwiegende Verwechslungen im geographischen Forschungsprozess ausgemacht zu haben.

 

Das erste Missverständnis bezieht sich auf die Hochstilisierung der „Weltperspektive, die als kulturelles Deutungsmuster hinter dem erlebten Raum steht […] zu einem wissenschaftlichen Erkenntnisprinzip“[11]. Die Kritik meint das unreflektierte Übernehmen jener alltagsweltlichen Hypostasierungsprozesse, die den erlebten Raum begründen, durch die Geographie. Es kam zu einer Projektion und anschließenden Vergegenständlichung von erlebten Räumen in und auf Erdraumausschnitte. War diese geographie-wissenschaftliche Fehlleistung zwischenzeitlich auf dem Weg ausgebessert zu werden, kam es überraschenderweise bald zu einer Art Gegenbewegung zur Gegenbewegung. Diese (Rück-)Verirrung wurde in jedem Fall durch das Entdecken und anschließende Bearbeiten der Räumlichkeit sozialer Phänomene durch benachbarte Disziplinen, die den bereits gemachten Erfahrungen keine Beachtung schenkten, forciert.

 

Die zweite Falscheinschätzung erkennt Weichhart überwiegend bei Untersuchungen zur Räumlichkeit von Wirtschafts- und Sozialstrukturen, die also eindeutig auf die hier als Raum 4 bezifferte Räumlichkeit fokussieren. Geographen erliegen in diesem Zusammenhang oft der Versuchung, die für ihre Untersuchungen relevanten Lagerungsqualitäten und Lagebeziehungen zwischen bestimmten Dingen anhand von Karten oder anderen Modellen zu visualisieren. Die immanente Gefahr dieser Vorgehensweise bedroht die Wissenschaftlichkeit in Form von Verdinglichung, Personifizierung und Hypostasierung. Hinzu kommt der immer präsente Verweis auf Erdraumausschnitte, in denen die betroffenen Phänomene beobachtet wurden. Die fehlende Abgrenzung einer relationalen Konzeption von Räumlichkeit und die Projektion auf einen spezifischen Erdraumausschnitt resultieren in einer völlig unzureichenden weil verkürzten Anschauung und vor allem Darstellung. „Wir sagen ‚Raum’ […] und meinen damit zusätzlich zur ‚Adressenangabe’ eine jeweils spezifische Konstellation der Lagerelation von Dingen.“[12] Die Relationalität wird dabei – weil zu komplex – einfach in einen Substanzbegriff umgedeutet, die Raum-Metapher kurzerhand personifiziert. Übrig bleibt eine oberflächliche Darstellung, ohne Fähigkeit, die vorhandene Komplexität zu formulieren.

 

  

 

Relevanz und Anwendbarkeit

 

Schon inmitten der Erläuterungen der angebotenen Raumkonzepte verweist der Autor immer wieder auf deren Gemeinsamkeiten, Unterschiede und jeweils spezifische Relevanz. Diese – im vorliegenden Überblick bisher ausgesparten – Argumente und Hinweise sollen an dieser Stelle den Gedanken über die Kompatibilität bezüglich einer handlungstheoretischen Sozialgeographie vorangestellt werden.

 

So haben die ersten besprochenen Raumkonzeptionen Raum 1 und Raum 2 gemein, dass für sie Raum etwas real Existierendes, ein Element der physisch-materiellen Wirklichkeit ist. Beide kommen somit auch in verschiedenen anderen Wissenschaften als nur der Geographie zum Zug.

 

Doch zu welchem Zwecke werden welche Bedeutungen von Raum von wem wie verwendet? Auch dieser diskurszentrierten Fragestellung weicht Weichhart nicht gänzlich aus, gibt zumindest einige diesbezüglich in Betracht zu ziehende Denkanstöße für Raum 1, Raum 2, Raum 3 und Raum 4. Verwendet ein Sprecher den Raumbegriff im Sinne von Raum 1, so kann sein Interesse jeglicher Form von Phänomenen auf der Erdoberfläche gelten. Aber nicht nur als gedankliche Struktur für empirische Wissenschaften, natürlich auch in der außerwissenschaftlichen lebensweltlichen Realität ist diese Verwendung von Raum von Bedeutung.

 

Trotz der zuvor genannten Gemeinsamkeit, befindet sich Raum 2 in einer völlig anderen Situation und hat eine völlig andere Funktion als Raum 1. Er wird in der Geographie dazu verwendet, „eigenständige ‚Raumgesetzlichkeiten’ postulieren zu können“[13].

 

Das wohl umfassendste Konzept von Raum ist die Bedeutung im Sinne von Raum 3. Sobald Mensch denkt, sobald Mensch Unterscheidungen macht, bei jeglicher Art von kognitiver Operation ist er präsent; er ist überhaupt die Voraussetzung, die Unterscheidung ermöglicht. Folglich arbeitet jede Wissenschaft mit diesem Konzept.

 

Raum 4 gesteht Weichhart eine besondere Bedeutung für die Geographie zu; gemeint wird er allerdings sowohl wenn Fußballtrainer, Theaterregisseure, Architekten oder Raumplaner, als eben auch wenn Geographen und viele andere das Wort Raum in den Mund nehmen. Es geht – wie oben bereits erläutert – um funktionale Relationen zwischen physisch-materialen, realen Elementen der Erdoberfläche. Diese Problematisierung „der Räumlichkeit der Ding- und Körperwelt kennzeichnet […] ein zentrales Erkenntnisinteresse der Geographie“[14]. Sobald auf materielle Aspekte sozialer Phänomene Bezug genommen wird, greift die Sozialwissenschaft auf dieses Konzept von Raum 4 zurück.

 

Doch welches der vorgestellten Raumkonzepte ist mit einer handlungsorientierten Sozialgeographie, mit einer subjektzentrierten Handlungstheorie kompatibel? Diese Frage stellt sich Weichhart in Anschluss an die vorangegangenen Erläuterungen zu den einzelnen Möglichkeiten. Er räumt ein, dass handlungstheoretische Projekte sozialwissenschaftlicher Forschung durchaus auch ohne Bezugnahme auf räumlich Aspekte zu den angestrebten Ergebnissen führen können. „Sobald aber auch die materiellen Grundlagen von Handlungen interessieren und die artefakte-weltlichen Bereiche des Sozialen in den Blickwinkel des Forschungsinteresse geraten, wird man auf einen sozialwissenschaftlich verträglichen Raumbegriff nicht verzichten können“[15]. Trotzdem bleibt die handlungstheoretische Herangehensweise forschungsleitend über Handlungskonzepte bestimmt, nicht über Raumkonzepte.

 

Weichhart erachtet vier der oben vorgestellten Konzepte von Raum als verwendbares Instrumentarium individuumszentrierter handlungstheoretischer Sozialgeographie. Raum 1 als einfaches Lokalisierungstool ist und bleibt in seiner Begrenztheit ein unproblematisch zu verwendendes. Raum 1e kann nicht ganz so „unbedacht“ eingesetzt werden; die Voraussetzung für dessen Verwendung ist das Bewusstsein, ihn als ein zentrales Element jeder Situationsdefinition anzunehmen. Raum 3 und „gleichsam die ‚Mutter aller Räume’“[16] gilt zwar als umfassendes Konzept zur Verwendung aller Wissenschaften, weist aber keine unmittelbar fachspezifische Relevanz vor.

 

„Als einziges Konzept, das eine handlungstheoretische Geographie mit guten Argumenten als fachspezifische ‚Nische’ im Wettbewerb der Sozialwissenschaften für sich reklamieren könnte, ist der Raum 4 anzusehen“[17]. Der Autor hebt in seinen finalen Überlegungen das Konzept von Räumlichkeit auf den Sockel des hervorragenden, neue Erkenntnisgewinne erzielenden und die Sozialgeographie im Rahmen des Raumdiskurses positionierenden sozialwissenschaftlichen Ansatzes. Die Geographie hatte schon immer einen enormen Stellenwert bezüglich der Berücksichtigung physisch-materieller Aspekte des Sozialen, und das zeichnet – so Weichhart – die Geographie aus. Andere Sozialwissenschaften erachtet er diesbezüglich als sachblind und ignorant gegenüber all dem, was hinter Raum 4 steht. Er besteht eben nicht nur aus Dingen; als Sozialwissenschaftler gilt es ebenso, jene ihn konstituierenden Akteure und sozialen Praxen mit ein zu beziehen.[18]

 

Räumlichkeit – so das Fazit – erlaubt es dem Sozialwissenschaftler, „bestimmte Aspekte oder Ausschnitte der erdräumlich lokalisierbaren Welt in spezifischen Handlungskontexten über subjektive und objektive Sinnzuschreibungen und die soziale Praxis als wesensinhärente Elemente des Sozialen“[19] zu deuten.

 

 

 

Kritik

 

Peter Weichhart, Professor für Humangeographie an der Universität Wien, versucht sich also im Rahmen des Konzepts der handlungsorientierten Sozialgeographie von Benno Werlen an einer Erläuterung und anschließend kurzen Evaluation von vorherrschenden Konzeptionen der wissenschaftlichen Diskussion rund um Raum. Er tut dies bestimmt und klar ersichtlich aus dem Blickwinkel „seiner“ Disziplin, der Geographie, und sucht nach einem Wegweiser für die Beschäftigung der Vertreter dieser Disziplin mit dem Raumbegriff. Sein Antrieb scheint vor allem die fehlende definitorische Schärfe der Geographiewissenschaft bzgl. dieses Begriffs zu sein. Aber, Weichharts Herangehensweise lässt mindestens ebenso klar seine sozialwissenschaftliche Orientierung und Auslegung von Geographie erkennen. Er betont die Verbindung zu anderen Sozialwissenschaften (inklusive dem Bemühen, Anschlussfähigkeit herzustellen) ganz bewusst, man kann beim Lesen des vorliegenden Textes seine Vorliebe für disziplinenübergreifendes, in alle Richtungen offenes Forschen geradezu heraushören. Er scheint wissenschaftliche Vielfalt ganz offensichtlich als Stärke zu schätzen, solange diese nicht in wissenschaftlicher Ungenauigkeit, im Falle der Geographie bemerkenswerterweise im Fehlen einer anwendbaren Definition oder zumindest Kategorisierung des(!) zentralen Forschungsgegenstandes, resultiert. Dementsprechend übt Weichhart auch Kritik an der Geographiewissenschaft, versucht allerdings, ihr eine helfende Hand auf ihrem Weg heraus aus dieser Misere zu reichen. Trotz aller Verweise und Empfehlungen in Richtung Geographie, muss lobenswerterweise nie die Anschlussfähigkeit an andere Disziplinen oder gar das Verständnis von Vertretern solcher darunter leiden.

 

Weichhart gelingt eine gute, klare Aufbereitung der zur Verfügung stehenden Konzepte, und er bietet etliche, wenn auch – wohl aufgrund des Umfanges des Artikels als Teil eines Sammelbandes – nur kurz angedeutete, Denkanstöße bzgl. der Anwendbarkeit von Raumkonzepten an. Die Selektion, die Auswahl eines Instrumentes fällt aber naturgemäß leichter, wenn man – wie in diesem Falle von Weichhart – den Werkzeugkoffer so eindrucksvoll prägnant geöffnet und dargelegt bekommt.

 

Die „Schwachstellen“ des vorliegenden Textes sind keine im herkömmlichen Sinne, stechen sie doch nur aus unserem disziplinen- und forschungsspezifischen Blickwinkel ins Auge.

 

Der Text „Die Räume zwischen den Welten und die Welt der Räume“ bietet einen bemerkenswert prägnanten Überblick über anwendbare Instrumentarium. Wir können uns – diesem Leitfaden folgend – leichter im Spektrum der vorhandenen Raumkonzeptionen zurechtfinden; was für uns sowohl betreffend die Betrachtung der Genealogie des Raumbegriffs bis hin zum gegenwärtigen „State of the Art“, als auch betreffend eine etwaige Analyse und Betrachtung des gegenwärtigen Diskurses rund um den Begriff Raum (wie auch immer diese auszusehen hat) eine Hilfestellung darstellen kann.

 

Klarerweise muss man den Text mit einer gewissen disziplinenimmanenten Distanz in Betracht ziehen, nicht weil wir einer disziplinenübergreifenden Herangehensweise – ähnlich jener von Peter Weichhart – skeptisch oder gar ablehnend gegenüberstünden, sondern weil wir uns ganz einfache andere Fragen zu stellen haben als dies Vertreter der Geographie tun.

 



[1] Weichhart, Peter; Die Räume zwischen den Welten und die Welt der Räume; in: Meusburger, Peter (Hrsg.); Handlungszentrierte Sozialgeographie. Benno Werlens Entwurf in kritischer Diskussion; Erdkundliches Wissen 130; Franz Steiner Verlag; Stuttgart, 1999, S. 67.

[2] Ebenda, S. 68

[3] Ebenda, S. 70

[4] Ebenda, S. 71

[5] Weichhart wehrt sich gegen die Verwendung einer systemtheoretischen Herangehensweise an soziale Systeme à la Luhmann, die das menschliche Subjekt ausblendet.

[6] Ebenda, S. 76

[7] Ebenda, S. 77

[8] Ebenda, S. 78

[9] Ebenda, S. 81

[10] Ebenda, S. 82

[11] Ebenda, S. 83

[12] Ebenda, S. 84

[13] Ebenda, S. 79

[14] Ebenda, S. 80

[15] Ebenda, S. 88

[16] Ebenda, S. 90

[17] Ebenda, S. 91

[18] Eine vollständige Kartierung fällt dementsprechend weg, da die – soziale Prozesse, u.ä. mitdominierende – Zeitkomponente das unmöglich macht.

[19] Ebenda, S. 92

 

Eingedenk dessen, „wie sehr wir in unserer Auseinandersetzung mit der Realität […] von unseren kognitiven Konstrukten und unserer Sprache bestimmt werden“[i], geht der Autor Peter Weichhart im vorliegenden Artikel auf die Konzeption eines, wenn nicht des(!) Schlüsselbegriffes der Geographie ein; Raum. Er tut diesen Schritt primär aus der Sicht eines Geographen, bereitet die relevanten Ansätze jedoch sehr disziplinenübergreifend anschlussfähig und für Vertreter (anderer) Sozialwissenschaften nicht nur verständlich sondern auch nutzbar auf.

Grundlage seiner hier dargelegten Überlegungen ist die Einbettung in den Kontext des diesen Artikel beherbergenden Sammelbandes zur handlungsorientierten Sozialgeographie Benno Werlens’. Werlen ist jener Vertreter der Human- und/oder Sozialgeographie, der das Projekt der subjektzentrierten Handlungstheorie als konzeptionelle und methodische Grundlage für seine Disziplin am weitesten vorantrieb. Werlen fordert eine grundlegende Umorientierung des geographischen Tatsachenblicks. Seine Sozialgeographie der alltäglichen Regionalisierungen soll eine Neuformulierung des Raumbegriffes ermöglichen bzw. anbieten.

In der geographiewissenschaftlichen Sekundärliteratur wird in diesem Zusammenhang oft vom Raum-Exorzismus gesprochen. Weichhart verweist diesbezüglich auf Zierhofer, der die Verfechter dieses Anspruchs in zwei Ausprägungen, eine starke und eine schwache Form, aufteilt. Proponenten letzterer verlangen „lediglich“, „bei der Darstellung und Analyse sozialweltlicher Phänomene die klassische Raum-Semantik durch eine geeignete Redeweise zu ersetzen“[ii], also ein Überdenken der Begrifflichkeiten. Soziale und kulturelle Gegebenheiten sollen anhand von sozialwissenschaftlichen Begriffen erfasst werden. Werlen lässt sich in diese Gruppe einordnen, da er die Relevanz der Bedeutung räumlicher Aspekte von Handlungskontexten für die Gesellschaft klar erkennen lässt und ausdrücklich betont.

Bevor Weichhart auf die in der aktuellen wissenschaftlichen Debatte zur Verfügung stehenden Raumkonzeptionen eingeht, stellt er einige ontologische Vorüberlegungen an, die ihm in der vorliegenden methodologischen Beschäftigung als unerlässlich erscheinen.

Die klassischen geographischen Konzepte von Räumen und Regionen hatten vorderhand die zentrale Funktion, eine substantialistische Brücke zwischen Natur und Kultur zu schlagen, und diese Verbindung zu formulieren. Räume wurden dementsprechend als Substanz, als reale Dinge aufgefasst. Das Konstitutionsprinzip dieser greifbaren Räume war der jeweilige sinnlich wahrnehmbare Wirkungszusammenhang verschiedener Geofaktoren.

Doch sehr bald regte sich erste Kritik an dieser Art von Konzeption. Es kam – in den 1940ern, 50ern und 60ern – zu einem Frontalangriff auf die klassische Methodologie; einige Geographen machten sich daran, den vorherrschenden Raumfetischismus durch die oben erwähnte harte Form des Raumexorzismus auszutreiben. Sie kritisierten, dass der alte Landschaftsbegriff – inhaltlich kaum verändert – einfach durch die Begriffe Raum und Region ersetzt werden sollte. Es entwickelte sich ein disziplineninterner Diskurs rund um die Ent-Räumlichung der Geographie.

Was in jedem Fall ganz offensichtlich aus der Debatte herauszulesen ist, ist ein „’großer Bedarf’ nach einer ontologischen Unterscheidung zwischen (subjektivem) Sinn, Materie und Sozialem“[iii]. Die primäre Intention der meisten Vertreter jeglicher Form von Raumexorzismus ist also gar nicht der Raum als solcher, sondern das Verlangen, jedwede Möglichkeit deterministischer Annahmen zwischen diesen drei Welten vorwegzunehmen. Weichhart argumentiert mit Popper, wenn er dieses Verlangen mit dem menschlichen Interesse an möglichen Auswirkungen von Ideen, Plänen, Theorien, Absichten, etc. auf die physikalische Welt erklärt. Die Geographie stellt sich also die Frage, wie „man zu einer indeterministischen Behandlung der Frage nach dem Zusammenhang zwischen ‚Sinn und Materie’ gelangen“[iv] kann. 

Geht man davon aus, dass materielle Dinge mehr als nur Zeichen sind, dass sie strukturelle, funktionelle und physiologische Qualitäten besitzen, die sich einer exklusiv semantischen Analyse entziehen, muss der Sozialwissenschaftler (wie jeder andere) eingestehen, dass wir es ganz einfach gewohnt sind, je verschiedene Sprachen für die Beschreibung der jeweiligen „Bewohner“ der drei Welten zu verwenden. Diese Differenz erschwert das Verständnis betreffend die Verbindungen zwischen diesen natürlich um ein Vielfaches.

(Nicht nur) für eine individuumszentrierte Sozialgeographie[v] macht es augenscheinlich Sinn, von der Annahme einer durchgängigen Realität auszugehen, sprich die angesprochenen drei Ebenen zwar analytisch weiterhin voneinander zu trennen, sie jedoch „nicht als unterschiedliche Existenzweise, sondern als ‚unterschiedliche Erscheinungs- oder Organisationsform derselben Realität’“ zu interpretieren. 

Weichhart erachtet es als unbedingt erforderlich, methodische Instrumente zur Verfügung zu stellen, die eine Lokalisation materieller und hybrider Phänomene (da beispielsweise sehr vielen Handlungsakten Elemente der Welt 1 – also Mittel, materiale Grundlagen, Werkzeuge, o.ä. – zugrunde liegen) ermöglichen. Der Schluss daraus verrät also seine Überzeugung, dass eine handlungstheoretisch konzipierte Geographie nicht auf Raumkonzepte verzichten wird dürfen. 

 

Raumkonzepte

An diesem Punkt beginnt der Autor eine „Inventur“ des raumkonzeptionellen Bestandes der Geographie. Am Ende seiner Erläuterungen werden es sechs Bedeutungszuschreibungen zum Raumbegriff sein, denen er jeweils verschiedene Relevanz für die Sozialwissenschaften und/oder die Geographie einräumt.

Raum 1: Die erste Bedeutung des Wortes Raum bezieht sich auf die – für Nicht-Geographen vielleicht klassische geographische – Funktion, einen Teilbereich der Erdoberfläche begrifflich abzustecken; im Sinne eines Erdraumausschnitts. Weichhart betont, „dass dieses Raumkonzept immer dann völlig problemlos eingesetzt werden kann, wenn damit tatsächlich nicht mehr gemeint ist als ein Art flächenbezogener Adressenangabe, und die Abgrenzung rein pragmatisch erfolgt“[vi]. Die Erweiterung dieses Konzepts durch jegliche zusätzliche Inhaltskomponente stellt allerdings ein nicht zu unterschätzendes Problem dar.

Raum 2: In der Erläuterung der zweiten Bedeutung von Raum bedient sich der Autor bei dem – uns bereits bekannten – Containerraum von Newton. In dieses dreidimensionale Behältnis ist alles Materielle eingebettet; nimmt man es heraus, bleibt der Raum über. Er existiert also unabhängig von seiner dinglich-materiellen Füllung. Objekte und Ereignisse, die in diesem unbegrenzten Raum vorkommen, zeichnen sich durch eine relative Position und Richtung aus.

Raum 3: Benutzer der dritten Bedeutungsvariante denken Raum als etwas durch immaterielle Relationen und Beziehungen Konstituiertes. Raum nimmt dabei eine ordnende Rolle ein, bietet „eine logische Struktur [an], innerhalb derer die gegebenen Elemente gedanklich eingepasst oder verortet werden“[vii]. Im Gegensatz zu den ersten beiden Bedeutungen, fehlt dem hier vorliegenden Konzept die Gegenständlichkeit. Als Ordnungsraster wird diese Art von Raum vom jeweiligen Betrachter über die vorfindbare Realität gelegt. So kann er das, was er wahrnimmt durch Ordnungen, Hierarchien, Raster in eine geordnete Struktur bringen.

Raum 4: Die vierte Bedeutungsvariante streicht der Autor zwar gesondert hervor, gesteht aber ein, dass sie durchaus ein Teilelement der vorhergehenden (Raum 3) darstellt. Sie geht zurück auf Leibniz, dessen Raum des Koexistierenden ebenfalls ohne die Vorstellung eines leeren Raums (siehe Raum 2) auskommt; er wird vielmehr konstituiert durch die existierenden Lagebeziehungen zwischen den Dingen und Körpern. „Dadurch, dass materielle Dinge eine bestimmte Konfiguriertheit aufweisen, zueinander in bestimmten Lagerelationen stehen, benachbart, getrennt oder miteinander verbunden sind, kann so etwas wie ein funktionaler oder dynamischer Systemzusammenhang entstehen, der ohne diese spezifische Lagerungsqualität nicht eintreten würde“[viii]. Weichhart plädiert dafür, diese Anschauung des Raumes durch den sprachlich korrekteren Begriff der Räumlichkeit zu ersetzen.

Raum 1e: Eine weitere Verwendungsweise des Wortes Raum bezieht sich auf den erlebten Raum. Es geht dabei um einen subjektiv wahrgenommenen Ausschnitt des Erdraums (deswegen auch die an Raum 1 ankoppelnde Nummerierung), der allerdings – in Gegensatz zu Raum 1 – inhaltlich aufgefüllt, mit subjektivem Sinn und subjektiver Bedeutung (gruppen- und kulturspezifische Werturteile, Zuschreibungen, o.ä.) aufgeladen wird. „Der erlebte Raum erscheint dem Menschen als der Inbegriff faktischer Realität, er repräsentiert gleichsam die integrale ‚Wirklichkeit’ der Außenwelt, der wir in unserer individuellen Existenz gegenüberstehen“[ix]. Diese räumlich strukturierte Erlebnisgesamtheit, dieses kognitive Konstrukt repräsentiert und formuliert ein Gefüge von Meinungen und Zuschreibungen über einen Raum 1. Es handelt sich dabei also immer um ein selektives, verzerrtes, interpretiertes Bild der Realität. Diese Umdeutung von Beziehungen zwischen Dingen und Körpern zu einem Substanzbegriff bezeichnet man als Hypostasierung. Natürlich stellen derartige Räume oft eine Projektionsfläche für Identitäten o.ä. dar.

Diese spezifische, subjektiv gefärbte Interpretation der Realität wird in den alltäglichen Handlungsvollzügen der Individuen von ihnen dazu verwendet, „die jeweils vorfindbare Relationalität der Sach- und Sozialstrukturen ordnend zusammenzufassen und damit auch die Komplexität der Wirklichkeit zu verringern[x].

Raum 5: Die letzte Bedeutungsvariante erläutert Weichhart nur der Vollständigkeit halber – weswegen auch an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen wird; es handelt sich um jene epistemologische Konzeption von Immanuel Kant, deren Raum eine Form der Anschauung zur Organisation von Wahrnehmungsinhalten ist.

Neben dem durchaus als fatal zu bezeichnenden Versäumnis der Geographie, sich zwar auf ihren ureigensten Forschungsgegenstand Raum einstimmig als den(!) zentralen Untersuchungsgegenstand einigen zu können, für diesen aber keine kontinuierliche Definition oder zumindest Kategorisierung anzubieten, verortet Weichhart zwei weitere fundamentale Probleme für die Beschäftigung seiner Wissenschaft mit dem vorliegenden Begriff. Er glaubt, im Großen und Ganzen zwei schwerwiegende Verwechslungen im geographischen Forschungsprozess ausgemacht zu haben.

Das erste Missverständnis bezieht sich auf die Hochstilisierung der „Weltperspektive, die als kulturelles Deutungsmuster hinter dem erlebten Raum steht […] zu einem wissenschaftlichen Erkenntnisprinzip“[xi]. Die Kritik meint das unreflektierte Übernehmen jener alltagsweltlichen Hypostasierungsprozesse, die den erlebten Raum begründen, durch die Geographie. Es kam zu einer Projektion und anschließenden Vergegenständlichung von erlebten Räumen in und auf Erdraumausschnitte. War diese geographie-wissenschaftliche Fehlleistung zwischenzeitlich auf dem Weg ausgebessert zu werden, kam es überraschenderweise bald zu einer Art Gegenbewegung zur Gegenbewegung. Diese (Rück-)Verirrung wurde in jedem Fall durch das Entdecken und anschließende Bearbeiten der Räumlichkeit sozialer Phänomene durch benachbarte Disziplinen, die den bereits gemachten Erfahrungen keine Beachtung schenkten, forciert.

Die zweite Falscheinschätzung erkennt Weichhart überwiegend bei Untersuchungen zur Räumlichkeit von Wirtschafts- und Sozialstrukturen, die also eindeutig auf die hier als Raum 4 bezifferte Räumlichkeit fokussieren. Geographen erliegen in diesem Zusammenhang oft der Versuchung, die für ihre Untersuchungen relevanten Lagerungsqualitäten und Lagebeziehungen zwischen bestimmten Dingen anhand von Karten oder anderen Modellen zu visualisieren. Die immanente Gefahr dieser Vorgehensweise bedroht die Wissenschaftlichkeit in Form von Verdinglichung, Personifizierung und Hypostasierung. Hinzu kommt der immer präsente Verweis auf Erdraumausschnitte, in denen die betroffenen Phänomene beobachtet wurden. Die fehlende Abgrenzung einer relationalen Konzeption von Räumlichkeit und die Projektion auf einen spezifischen Erdraumausschnitt resultieren in einer völlig unzureichenden weil verkürzten Anschauung und vor allem Darstellung. „Wir sagen ‚Raum’ […] und meinen damit zusätzlich zur ‚Adressenangabe’ eine jeweils spezifische Konstellation der Lagerelation von Dingen.“[xii] Die Relationalität wird dabei – weil zu komplex – einfach in einen Substanzbegriff umgedeutet, die Raum-Metapher kurzerhand personifiziert. Übrig bleibt eine oberflächliche Darstellung, ohne Fähigkeit, die vorhandene Komplexität zu formulieren.

  

Relevanz und Anwendbarkeit

Schon inmitten der Erläuterungen der angebotenen Raumkonzepte verweist der Autor immer wieder auf deren Gemeinsamkeiten, Unterschiede und jeweils spezifische Relevanz. Diese – im vorliegenden Überblick bisher ausgesparten – Argumente und Hinweise sollen an dieser Stelle den Gedanken über die Kompatibilität bezüglich einer handlungstheoretischen Sozialgeographie vorangestellt werden.

So haben die ersten besprochenen Raumkonzeptionen Raum 1 und Raum 2 gemein, dass für sie Raum etwas real Existierendes, ein Element der physisch-materiellen Wirklichkeit ist. Beide kommen somit auch in verschiedenen anderen Wissenschaften als nur der Geographie zum Zug.

Doch zu welchem Zwecke werden welche Bedeutungen von Raum von wem wie verwendet? Auch dieser diskurszentrierten Fragestellung weicht Weichhart nicht gänzlich aus, gibt zumindest einige diesbezüglich in Betracht zu ziehende Denkanstöße für Raum 1, Raum 2, Raum 3 und Raum 4. Verwendet ein Sprecher den Raumbegriff im Sinne von Raum 1, so kann sein Interesse jeglicher Form von Phänomenen auf der Erdoberfläche gelten. Aber nicht nur als gedankliche Struktur für empirische Wissenschaften, natürlich auch in der außerwissenschaftlichen lebensweltlichen Realität ist diese Verwendung von Raum von Bedeutung.

Trotz der zuvor genannten Gemeinsamkeit, befindet sich Raum 2 in einer völlig anderen Situation und hat eine völlig andere Funktion als Raum 1. Er wird in der Geographie dazu verwendet, „eigenständige ‚Raumgesetzlichkeiten’ postulieren zu können“[xiii].

Das wohl umfassendste Konzept von Raum ist die Bedeutung im Sinne von Raum 3. Sobald Mensch denkt, sobald Mensch Unterscheidungen macht, bei jeglicher Art von kognitiver Operation ist er präsent; er ist überhaupt die Voraussetzung, die Unterscheidung ermöglicht. Folglich arbeitet jede Wissenschaft mit diesem Konzept.

Raum 4 gesteht Weichhart eine besondere Bedeutung für die Geographie zu; gemeint wird er allerdings sowohl wenn Fußballtrainer, Theaterregisseure, Architekten oder Raumplaner, als eben auch wenn Geographen und viele andere das Wort Raum in den Mund nehmen. Es geht – wie oben bereits erläutert – um funktionale Relationen zwischen physisch-materialen, realen Elementen der Erdoberfläche. Diese Problematisierung „der Räumlichkeit der Ding- und Körperwelt kennzeichnet […] ein zentrales Erkenntnisinteresse der Geographie“[xiv]. Sobald auf materielle Aspekte sozialer Phänomene Bezug genommen wird, greift die Sozialwissenschaft auf dieses Konzept von Raum 4 zurück.

Doch welches der vorgestellten Raumkonzepte ist mit einer handlungsorientierten Sozialgeographie, mit einer subjektzentrierten Handlungstheorie kompatibel? Diese Frage stellt sich Weichhart in Anschluss an die vorangegangenen Erläuterungen zu den einzelnen Möglichkeiten. Er räumt ein, dass handlungstheoretische Projekte sozialwissenschaftlicher Forschung durchaus auch ohne Bezugnahme auf räumlich Aspekte zu den angestrebten Ergebnissen führen können. „Sobald aber auch die materiellen Grundlagen von Handlungen interessieren und die artefakte-weltlichen Bereiche des Sozialen in den Blickwinkel des Forschungsinteresse geraten, wird man auf einen sozialwissenschaftlich verträglichen Raumbegriff nicht verzichten können“[xv]. Trotzdem bleibt die handlungstheoretische Herangehensweise forschungsleitend über Handlungskonzepte bestimmt, nicht über Raumkonzepte.

Weichhart erachtet vier der oben vorgestellten Konzepte von Raum als verwendbares Instrumentarium individuumszentrierter handlungstheoretischer Sozialgeographie. Raum 1 als einfaches Lokalisierungstool ist und bleibt in seiner Begrenztheit ein unproblematisch zu verwendendes. Raum 1e kann nicht ganz so „unbedacht“ eingesetzt werden; die Voraussetzung für dessen Verwendung ist das Bewusstsein, ihn als ein zentrales Element jeder Situationsdefinition anzunehmen. Raum 3 und „gleichsam die ‚Mutter aller Räume’“[xvi] gilt zwar als umfassendes Konzept zur Verwendung aller Wissenschaften, weist aber keine unmittelbar fachspezifische Relevanz vor.

„Als einziges Konzept, das eine handlungstheoretische Geographie mit guten Argumenten als fachspezifische ‚Nische’ im Wettbewerb der Sozialwissenschaften für sich reklamieren könnte, ist der Raum 4 anzusehen“[xvii]. Der Autor hebt in seinen finalen Überlegungen das Konzept von Räumlichkeit auf den Sockel des hervorragenden, neue Erkenntnisgewinne erzielenden und die Sozialgeographie im Rahmen des Raumdiskurses positionierenden sozialwissenschaftlichen Ansatzes. Die Geographie hatte schon immer einen enormen Stellenwert bezüglich der Berücksichtigung physisch-materieller Aspekte des Sozialen, und das zeichnet – so Weichhart – die Geographie aus. Andere Sozialwissenschaften erachtet er diesbezüglich als sachblind und ignorant gegenüber all dem, was hinter Raum 4 steht. Er besteht eben nicht nur aus Dingen; als Sozialwissenschaftler gilt es ebenso, jene ihn konstituierenden Akteure und sozialen Praxen mit ein zu beziehen.[xviii]

Räumlichkeit – so das Fazit – erlaubt es dem Sozialwissenschaftler, „bestimmte Aspekte oder Ausschnitte der erdräumlich lokalisierbaren Welt in spezifischen Handlungskontexten über subjektive und objektive Sinnzuschreibungen und die soziale Praxis als wesensinhärente Elemente des Sozialen“[xix] zu deuten.

 

Kritik

Peter Weichhart, Professor für Humangeographie an der Universität Wien, versucht sich also im Rahmen des Konzepts der handlungsorientierten Sozialgeographie von Benno Werlen an einer Erläuterung und anschließend kurzen Evaluation von vorherrschenden Konzeptionen der wissenschaftlichen Diskussion rund um Raum. Er tut dies bestimmt und klar ersichtlich aus dem Blickwinkel „seiner“ Disziplin, der Geographie, und sucht nach einem Wegweiser für die Beschäftigung der Vertreter dieser Disziplin mit dem Raumbegriff. Sein Antrieb scheint vor allem die fehlende definitorische Schärfe der Geographiewissenschaft bzgl. dieses Begriffs zu sein. Aber, Weichharts Herangehensweise lässt mindestens ebenso klar seine sozialwissenschaftliche Orientierung und Auslegung von Geographie erkennen. Er betont die Verbindung zu anderen Sozialwissenschaften (inklusive dem Bemühen, Anschlussfähigkeit herzustellen) ganz bewusst, man kann beim Lesen des vorliegenden Textes seine Vorliebe für disziplinenübergreifendes, in alle Richtungen offenes Forschen geradezu heraushören. Er scheint wissenschaftliche Vielfalt ganz offensichtlich als Stärke zu schätzen, solange diese nicht in wissenschaftlicher Ungenauigkeit, im Falle der Geographie bemerkenswerterweise im Fehlen einer anwendbaren Definition oder zumindest Kategorisierung des(!) zentralen Forschungsgegenstandes, resultiert. Dementsprechend übt Weichhart auch Kritik an der Geographiewissenschaft, versucht allerdings, ihr eine helfende Hand auf ihrem Weg heraus aus dieser Misere zu reichen. Trotz aller Verweise und Empfehlungen in Richtung Geographie, muss lobenswerterweise nie die Anschlussfähigkeit an andere Disziplinen oder gar das Verständnis von Vertretern solcher darunter leiden.

Weichhart gelingt eine gute, klare Aufbereitung der zur Verfügung stehenden Konzepte, und er bietet etliche, wenn auch – wohl aufgrund des Umfanges des Artikels als Teil eines Sammelbandes – nur kurz angedeutete, Denkanstöße bzgl. der Anwendbarkeit von Raumkonzepten an. Die Selektion, die Auswahl eines Instrumentes fällt aber naturgemäß leichter, wenn man – wie in diesem Falle von Weichhart – den Werkzeugkoffer so eindrucksvoll prägnant geöffnet und dargelegt bekommt.

Die „Schwachstellen“ des vorliegenden Textes sind keine im herkömmlichen Sinne, stechen sie doch nur aus unserem disziplinen- und forschungsspezifischen Blickwinkel ins Auge.

Der Text „Die Räume zwischen den Welten und die Welt der Räume“ bietet einen bemerkenswert prägnanten Überblick über anwendbare Instrumentarium. Wir können uns – diesem Leitfaden folgend – leichter im Spektrum der vorhandenen Raumkonzeptionen zurechtfinden; was für uns sowohl betreffend die Betrachtung der Genealogie des Raumbegriffs bis hin zum gegenwärtigen „State of the Art“, als auch betreffend eine etwaige Analyse und Betrachtung des gegenwärtigen Diskurses rund um den Begriff Raum (wie auch immer diese auszusehen hat) eine Hilfestellung darstellen kann.

Klarerweise muss man den Text mit einer gewissen disziplinenimmanenten Distanz in Betracht ziehen, nicht weil wir einer disziplinenübergreifenden Herangehensweise – ähnlich jener von Peter Weichhart – skeptisch oder gar ablehnend gegenüberstünden, sondern weil wir uns ganz einfache andere Fragen zu stellen haben als dies Vertreter der Geographie tun.



[i] Weichhart, Peter; Die Räume zwischen den Welten und die Welt der Räume; in: Meusburger, Peter (Hrsg.); Handlungszentrierte Sozialgeographie. Benno Werlens Entwurf in kritischer Diskussion; Erdkundliches Wissen 130; Franz Steiner Verlag; Stuttgart, 1999, S. 67.

[ii] Ebenda, S. 68

[iii] Ebenda, S. 70

[iv] Ebenda, S. 71

[v] Weichhart wehrt sich gegen die Verwendung einer systemtheoretischen Herangehensweise an soziale Systeme à la Luhmann, die das menschliche Subjekt ausblendet.

[vi] Ebenda, S. 76

[vii] Ebenda, S. 77

[viii] Ebenda, S. 78

[ix] Ebenda, S. 81

[x] Ebenda, S. 82

[xi] Ebenda, S. 83

[xii] Ebenda, S. 84

[xiii] Ebenda, S. 79

[xiv] Ebenda, S. 80

[xv] Ebenda, S. 88

[xvi] Ebenda, S. 90

[xvii] Ebenda, S. 91

[xviii] Eine vollständige Kartierung fällt dementsprechend weg, da die – soziale Prozesse, u.ä. mitdominierende – Zeitkomponente das unmöglich macht.

[xix] Ebenda, S. 92

Weichhart, Peter (1996); „Die Region – Chimäre, Artefakt oder Strukturprinzip sozialer Systeme?“

Zuerst ein Satz in eigener Sache: Unser Dank gilt Prof. Peter Weichhart vom Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien, der uns – neben anderen Literaturvorschlägen – den vorliegenden Text nicht nur empfohlen und zur Verfügung gestellt hat, sondern darüber hinaus auch so freundlich war, den Text zu kopieren und an meine Privatadresse zu schicken. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Nun zum Text: Neben unserer Auseinandersetzung mit vorrangig philosophischen und naturwissenschaftlichen Raumzugängen haben wir uns in den vergangenen Tagen darauf verständigt auch einen Einblick in die Raumzugänge geographiewissenschaftlicher Ansätze vorzunehmen. Mit dem Text von David Harvey machte ich diesbezüglich den Anfang und der vorliegende Text ist als nächster Schritt in diese Richtung zu sehen. Im vorliegenden Text geht es grob gesagt um die Begrifflichkeit „Region“ und dessen Implikationen zur geographischen Raumtheorie.

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Harvey, David (1990); „Zeit und Raum im Projekt der Aufklärung“

David Harvey beginnt den vorliegenden Textteil mit dem Hinweis, dass er an das Konzept der „Verdichtung“ von Raum und Zeit anknüpft. Die Begrifflichkeit Verdichtung bezeichnet jene prozessuale geschichtliche Schnittpunkte, welche die „objektiven“ Eigenschaften von Raum und Zeit revolutioniert haben und darüber hinaus die menschliche Vorstellung von „unserer“ Welt radikal verändert haben. Verdichtung meint weithin erstens die Beschleunigung des Lebens und zweitens die damit einhergehende progressive Überwindung von räumlichen Schranken. Durch technischen Fortschritt (so z.B.: die Eisenbahn oder der Flugverkehr) und soziogeographische Globalisierung (z.B.: die Entwicklung neuer Kommunikationsmittel) scheint die Welt zu „implodieren“. In der Wahrnehmung des Menschen schrumpft die Umwelt und Raum und Zeit fallen immer enger zusammen. „In dem Maß, in dem der Raum […] zu schrumpfen scheint […] und sich die Zeithorizonte auf einen Punkt zusammenziehen, an dem nur mehr die Gegenwart existiert […], müssen wir lernen, mit dem überwältigenden Eindruck von Verdichtung unserer räumlichen und zeitlichen Welt umzugehen“[1].

Für Harvey ist diese Verdichtung nun für eine Vielzahl an kulturellen, politischen und sozialen Veränderungen und Reaktionen – die nicht nur herausfordernd, sondern auch belastend und verstörend für den „Menschen“ sein können – verantwortlich. Durch eine historische Betrachtung der europäischen „Verdichtungsentwicklung“ versucht Harvey das vorliegende Thema (sozusagen als Fallbeispiel) darzustellen. Harveys zentrales Anliegen ist es, den lange andauernden Prozess des Übergangs, der schlussendlich den Weg für das aufklärerische Denken über Raum und Zeit geebnet hat, darzustellen.

Den Ausgangspunkt der harvey´schen historischen Verdichtungszeitreise bildet die Betrachtung der „relativ isolierten Welten […] des europäischen Feudalismus“[2].

Die einzelnen Territorien (gemeint sind feudale Besitzflächen mit vagen Außengrenzen) weisen nach innen gerichtet eine Homogenität auf, die eine stark abgegrenzte rechtliche, politische und soziale Autonomie beobachten lässt, während hingegen der Raum außerhalb der einzelnen feudalen Herrschaftszonen nur sehr vage vorstellbar war. Der außenliegende Raum wurde als mysteriöse Kosmologie begriffen, der von allerhand mythologischen Gestalten, fremden Herrschern und himmlischen Heerscharen bevölkert war, während dem entgegen nach innen gerichtet  die Alltäglichkeit des Seins, somit weithin das Alltagsleben die Unendlichkeit und Unfassbarkeit der „dauernden Zeit“[3] bestimmte. D. h. nach innen orientiert finden wir das ordinäre – für den Menschen gemeinhin zu verstehende – Alltagsleben und nach außen gewand den Mythos einer früh-scholastischen Kosmologie.

Durch die fortschreitende Monetarisierung, dem Warenaustausch – zuerst zwischen Gemeinden, später jedoch in selbständiger kaufmännischer Form – und der Herausbildung einer profitorientierten Gesellschaft und dem damit einhergehendem Drang zur Erschließung des „Umlandes“ als potentielle neue Märkte, kam es zu einer progressiven, wenn auch langsamen, Veränderung und Umgestaltung der Sicht auf Raum und Zeit.

In der Renaissance – die von Entdeckungsfahrten und einem erstaunlichen Wissenszuwachs geprägt war – ist gegenüber der feudalen Ordnung schon ein klarer und radikal abweichender Zeit- und Raumbegriff zu beobachten. Nicht zuletzt war die Erkenntnis – was von zahlreichen Entdeckungsfahrten bewiesen wurde –, dass die Welt in Form der Erdkugel begrenzt und potentiell dem Wissen zugänglich war, eine bahnbrechende und notwendige Entdeckung. „Die Vorstellung eines unendlichen Raumes erlaubte es, den Globus als begrenzte Totalität zu begreifen, ohne zumindest theoretisch die unendliche Weisheit Gottes in Frage stellen zu müssen. […] Der Chronometer, der dem Zeitpfeil Maß und Stärke gab, wurde ebenso mit Gottes unendlicher Weisheit theoretisch versöhnt, indem die Zeit, analog zu den Eigenschaften des Raumes, als infinit definiert wurde. Diese Verknüpfung war von immenser Tragweite“[4]. Durch diese Erkenntnis wurde es möglich wissenschaftliche und vorgeblich „faktische“ Erfahrungen von Zeit und Raum von den mythologischen, christlich-religiös geprägten Konzepten zu unterscheiden und zu trennen. Diese Sichtweise stellte die materielle Basis „für Descartes´ Prinzipien von Rationalität bereit, die ein integraler Bestandteil des Projekts der Aufklärung werden sollte“[5].

Hierin kündigte sich ein neuer Zeitgeist an, der die herrschende – religiöse – räumliche und zeitliche Ordnung nachhaltig über den Haufen warf.

Durch die Möglichkeit bei der Darstellung der Erdkugel auf einer Fläche mathematische Methoden anwenden zu können, gelang es den Raum – obwohl unendlich – für die Zwecke menschlicher Ansiedlung und Tätigkeit, bezwingbar und beherrschbar zu machen. Das gilt sowohl für die praktische Auseinandersetzung mit dem Raum (Chorographie; Geographie) aber vielmehr und fast noch wichtiger für die gedankliche Auseinandersetzung und Perzeption mit dem Raum. „In einem solchen Kontext sollte dann die Revolution der Naturwissenschaften, beginnend mit Kopernikus über Galilei bis schließlich zu Newton […] stattfinden“[6].

Das Problem der Aufklärung – zumindest ist dies die heutige landläufige Sichtweise – war, dass das aufklärerische Denken innerhalb der Grenzen einer eher mechanischen Sicht (z.B.: Newton) des Universums operierte, in dem die vorausgesetzte Homogenität von Raum und Zeit das Denken und Handeln stark begrenzte. Absolutismen – wie der absolute Raum – waren vorherrschend und bestimmten ganz zentral die Perzeption von Raum und Zeit.

Aber gerade diese absoluten Konzeptionen und vor allem deren Zusammenbruch unter dem Druck der immer rascher voranschreitenden „Verdichtung“ von Raum und Zeit, waren das zentrale und immanent wichtige Momento für die, während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, entstehende Form der Moderne.

Von diesem historischen Punkt aus, ist es dann nur noch ein kleiner Schritt hin zum Dilemma von Theorie, Repräsentation und Praxis für eine Interpretation der späten Wende zur Postmoderne. Jedoch bietet auch hier – so Harvey – dieses aufklärerische Zeit- und Raumverständnis interessante und aufschlussreiche Erklärungs- und Einsichtsansätze. „Durch die Betrachtung bestimmter idealisierter Konzepte des Raumes und der Zeit als „real“ laufen die Denker der Aufklärung in Gefahr, den freien Strom menschlicher Erfahrung und Praxis auf rationalistische Konfigurationen einzudämmen. In diesen Begriffen entdeckte Foucault die repressive Wende in der aufklärerischen Praxis in Richtung Überwachung und Kontrolle. Das gewährt einen Einblick in die „postmoderne“ Kritik der „totalisierenden Eigenschaften“ des aufklärerischen Denkens und der „Tyrannei“ der Zentralperspektive. Es wirft darüber hinaus ein Licht auf ein ständig wiederkehrendes Problem. Wenn die Gesellschaft rational geplant und kontrolliert werden soll, um gesellschaftliche Gleichheit und Wohlstand für alle zu befördern, wie können Produktion, Konsumtion und sozialer Austausch anders geplant und effizient organisiert werden als durch die Einführung einer reinen Abstraktion von Zeit und Raum, wie sie der Karte, der Uhr und dem Kalender zugrunde liegen?“[7]

Die Antwort auf diese Frage ist komplex und zugleich nach wie vor nicht wirklich gegeben. Aber es lassen sich Spuren einer Antwort finden. Jeder Versuch – wie in der Frage angedeutet – die politische Macht zu demokratisieren und zu verteilen machte und macht eine bestimmte  räumliche Strategie erforderlich. Dieses Axiom kann nun sowohl Positiv als auch Negativ ausgelegt bzw. instrumentalisiert werden. Es stellt somit zugleich die Möglichkeiten einer sozial-gerechten Raum-Politik als auch einer macht-missbrauchs Raum-Politik zur Verfügung. Der Kampf um die „Deutungshoheit“ ist daher ein allgegenwärtiger, gerade weil „keine Politik des Raumes unabhängig von sozialen Beziehungen ist.“[8]

Der von mir gerade beschriebene „Kampf“, als Spur einer Antwort auf obig gestellte Frage, wird von Harvey in einem prägnanten Satz auf den Punkt gebracht: „Die Reorganisation des Raumes zu demokratischen Zielen forderte die ortsgebundene dynastische Macht heraus.“[9]

Diese Auffassung galt für die Epoche der Aufklärung genauso wie sie heute in der Gegenwart  nach wie vor Gültigkeit besitzt. „[D]ie Unterminierung dieses Demokratisierungsprojekts durch die Macht von Geld und Kapital führte zum zunehmenden Warencharakter von Raum und zur Produktion von neuen, aber gleichermaßen oppressiven geographischen Systemen für die Erfassung von Macht (wie in den Vereinigten Staaten).“[10]

Harvey schaffte es – in diesem ausgesprochen spannenden und interessanten Textteil – die historische Entwicklung seines Verdichtungskonzeptes nachzuzeichnen und konnte darüber hinaus eindrucksvoll die immanenten und nach wie vor wirkungsvollen Einflüsse der aufklärerischen Raum- und Zeitidee auf unsere gegenwärtige (vielleicht) postmoderne – oder  aber möglicherweise auch 2. Moderne – Epoche nachweisen und aufzeigen.


[1] Harvey, David (1990): Zeit und Raum im Projekt der Aufklärung. In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften (1995): Macht – Wissen Geographie. 6. Jg., Heft 3, Verlag für Gesellschaftskritik: Wien, S. 345-365 (Dt. Erstveröffentlichung des Kapitels The Time and Space of Enlightenment Project, in: Harvey, David (1990): The Condition of Postmodernity. An Enquiry into the Origins of Cultural Change. Oxford u.a.; 240-259).

[2] Ebenda, S. 346

[3] Ebenda, S. 347

[4] Ebenda, S. 349 f.

[5] Ebenda, S. 350

[6] Ebenda, S. 352

[7] Ebenda, S. 359

[8] Ebenda, S. 362

[9] Ebenda, S. 363

[10] Ebenda, S. 364

Barberi, Alessandro (2002); „Diskursanalyse und Historiographie. Prolegomena zu einer Archäologie der Archäologie“

Eines vorweg: Der Titel dieses Artikels[1] klang für unsere Projekt vielversprechend, konnte aber schlussendlich nicht das halten, was er versprochen hatte. Der Bezug zu unserer Thematik ist ausgesprochen gering bis gar nicht vorhanden. Deshalb fasste ich den Artikel nur in dessen rudimentären Grundzügen zusammen und ließ es damit bewenden, ohne genauer auf den Inhalt einzugehen. Schlicht und ergreifend deshalb, weil er für uns von keinem weiterführendem Interesse ist.

Aufbauend auf Deleuze, Heidegger, Nietzsche und dem philosophischen Gegensatz zwischen Archäologie und Genealogie der Diskurstheorie versucht Barberi – in diesem Artikel – eine inhaltliche Auseinandersetzung und Annäherung an die epistemologische Perspektivpaare Idee versus Materie bzw. Diskurs versus Technik. Unter zu Hilfenahme eines Rekurses auf Historiographie und Geschichte näherte sich Barberi diesen epistemologischen Gegensätzen an. Als Ausgangspunkt seiner Analyse diente Barberi die permanente Herstellung von Formen der Historizität aufgrund der seit Jahren zu beobachtbaren Konfrontation zwischen Diskurs- und Mediengeschichte. Seine, diesem Artikel, zugrundeliegende Diagnose soll eine diskurshistorische Selbstreflexion des wissenschaftlichen Gegenstandes Geschichte ermöglichen, gerade weil das Aufeinanderprallen von Diskurs- und Mediengeschichte mit seiner inhärenten Historizität auf eine wissensgeschichtliche Bearbeitung drängt. Im Text selbst nimmt Barberi zwei wissenschaftliche „Probebohrungen“ vor, um den obigen Ansatz zu veranschaulichen. Erstens wird auf allgemeinem Niveau das Verhältnis von Diskurs, Medien und Historiographie im Kontext der Annales-Schule beleuchtet und zweitens wird ein Blick auf die Auswirkungen der Theorie des historischen Strukturalismus auf Permutationsmöglichkeiten der Geschichte geworfen.

Für mich als Leser des Artikels präsentierte sich dieses Vorhaben etwas konfus und war von einer Aneinanderreihung an Zitaten von verschiedenen Größen der geschichtswissenschaftlichen Disziplin (z.B. Braudel) geprägt. Da der vorliegende Artikel jedoch keine weiterführende Relevanz für unser eigenes Projekt besitzt, will ich meine magere Kritik darauf bewenden lassen und nicht weiter darauf eingehen.


[1] Barberi, Alessandro (2002): Diskursanalyse und Historiographie. Prolegomena zu einer Archäologie der Archäologie. In: Sieder, Reinhard (Hg.) (2004): Fakten Daten Diskurse. Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften. 15. Jg. Heft 2, Studien Verlag: Innsbruck, Wien u.a. 71-89.

Bachelard, Gaston (1957); „Poetik des Raumes“

Im vorliegenden Text beschäftigt sich Bachelard mit der „Topophilie“; d. h. mit der Analyse „des glücklichen Raumes“. Zentral Aspekt hierbei ist die Eruierung des menschlichen Wertes von Besitzräumen. Für Bachelard bedeutet dies den Raum, als erfahrbares Etwas, in all seinen empfindungsmäßigen Konsequenzen zu untersuchen. Somit sind die, von der Einbildungskraft, erfassten Räume keine indifferenten, für sich allein stehenden Räume die nur den geometrischen Maßeinheiten zuzurechnen sind, sondern erlebbare Ausgedehntheiten, die nicht nur in ihrer Positivität erlebt werden. Stattdessen werden Räume mit aller Parteinahme der Einbildungskraft perzipiert. Bachelard versucht nun die gefühlsmäßigen Zugänge zur räumlichen Vorstellung anhand von gedanklichen Bildern – die Ausdruck des menschlichen Raumvorstellens sind – zu analysieren. „Unaufhörlich imaginiert die Einbildungskraft und bereichert sich mit neuen Bildern. Diesen Reichtum imaginierten Seins wollen wir erforschen“[1].

Bachelard beginnt seine Analyse mit einem Vergleich: Räumliche Erinnerungsbilder werden im menschlichen Inneren als räumlich verdichtete Zeitpunkte abgespeichert, die gleich wie der Aufbau eines Hauses im Geiste Gestalt annehmen. Es gibt Keller, Speicher, Winkel usw., wo unsere Erinnerungen die Charakteristik von Zufluchtsorten annehmen. In der Psychoanalyse werden solche örtliche Verräumungen von Erinnerungsbildern und die Analyse derselben „Topos-Analyse“ genannt. „In seinen tausend Honigwaben speichert der Raum verdichtete Zeit. Dazu ist der Raum da“[2].

Zentral ist für Bachelard, dass eben solche (unsere) Erinnerungsräume – die wir in unserem geistigen „Haus“ untergebracht haben – eine zeitlose Konsistenz besitzen. D. h. sie wurden von der Zeit entkoppelt und fungieren dadurch als stets gegenwärtige Erinnerungen an gewisse Seins-Erfahrungen. Eine lineare Zeitlichkeitsentwicklung kann von der menschlichen äußeren Umwelt von – so Bachelard – Biographen nacherzählt und hergestellt werden. Jedoch sind unsere innersten verräumten Gedankenbilder allgegenwärtig und erfüllen den Zweck, dass darauf stets zurückgegriffen werden kann. Die Besinnung auf „vergangenes“ – auch und gerade weil es zeitlos ist – wirkt immer tröstend. Gerade weil wir – wie eingangs erwähnt – glückliche Erinnerungsräume in unserem „Haus“ verräumen. „[I]n der Erinnerung, die in der Träumerei wiedergefunden wird, ist die Dachstube, wer weiß durch welchen Synkretismus, klein und groß, warm und kühl, doch immer tröstend“[3].

Im weiteren Verlauf des vorliegenden Textes beschäftigt sich Bachelard mit der Dialektik des Draußen und des Drinnens. Für Bachelard ist die scharfe Trennung zwischen Drinnen und Draußen – gleich wie Ja und Nein – die Basis jeglicher metaphorischer gedanklicher Möglichkeit das Positive und Negative alles Seins zu erfassen. Diese dialektische Trennung beherrscht sämtliche räumliche Gedankenbilder des Menschen. Das gilt für Logiker, Philosophen, Metaphysiker oder auch ganz allgemein für den „Alltagsmenschen“ gleichermaßen. Zwar trifft man dadurch, je nach dem zu welcher Gruppe man sich zugehörig zählt, auf grundverschiedene Probleme – die an dieser Stelle nicht weiter wichtig sind – aber der Ausgangspunkt der Probleme bleibt das Gleiche – die vorangestellte ontologische dialektische Trennung eben dieser beiden Begriffe: „es geht um die Entfremdung, die auf diesen beiden Begriffen beruht. Was sich in ihrer formalen Opposition äußert, wird darüber hinaus Entfremdung und Feindlichkeit zwischen beiden“[4].

In weiterer Folge bietet Bachelard einige dialektisch-syntaktische Beispiele, um diese Anschauung zu verdeutlichen. Diese Beispiele sollen für diese inhaltliche Zusammenfassung von keiner weiteren Bedeutung sein. Jedoch bleibt der zentrale Ansatzpunkt von Bachelard zu erwähnen: Von immanenter und expliziter Bedeutung ist die Ablösung vom euklidisch betrachteten Raumverständnis. Erst die gedankliche Verabschiedung vom euklidischen Raumverständnis schafft die notwendige Annäherungsgrundlage, um Raum als agiles Element im dialektischem Kontext erfassen, erfahrbar und vor allem auch veranschaulich machen zu können. Bachelard verdeutlicht seine Überlegungen durch eine ausgesprochen plastische und interessante Herangehensweise: „Im Grunde gehören die Seins-Erfahrungen, die eine geometrische Ausdrucksweise rechtfertigen, zu den dürftigsten… […] So ist im Sein alles Umlauf […], alles ist Kehrreim endloser Strophen. […] Und welche Spirale ist das Sein des Menschen! […] Man weiß nicht gleich, ob man sich zum Mittelpunkt hin oder vom Mittelpunkt weg bewegt. […] So wie das spiralförmige Sein, das sich äußerlich so gut um seine Mitte geordnet darstellt, nie seinen Mittelpunkt erreichen. Das Sein des Menschen lässt sich nicht fixieren. Jeder Ausdruck hebt seine Fixierung auf. Im Reiche der Einbildungskraft gilt, daß das Sein, sobald ein Ausdruck vorgebracht ist, Bedürfnis nach einem andern Ausdruck hat, daß das Sein alsbald zum Sein eines andern Ausdrucks werden muß“[5].

Durch die Abkehr von der geometrischen Anschauung der Dialektik des Drinnen und des Draußen befreit man sich gegenüber jeder definitiven Anschauung. Und gerade die Geometrie verzeichnet definitive Anschauungen. Und genau aufgrund dieses „Befreiungsschlages“ nannte Bachelard den vorliegenden Text die „Poetik des Raumes“. Die Poetik – und weithin die Arbeit von Dichtern – ist mit der Befreiung aus definitiven Anschauungen der Geometrie gleichzusetzen. Ich strapaziere Bachelard nur ungern, aber folgendes – etwas zu langes – Zitat veranschaulicht seinen Ansatz ganz hervorragend. „Wir müssen frei bleiben gegenüber jeder definitiven Anschauung [intuition] […], wenn wir den Kühnheiten der Dichter folgen wollen, die uns zugespitzte Innerlichkeitserlebnisse, „Fluchten“ der Einbildungskraft bieten. […] Die Opposition zwischen dem Konkreten und dem Weiträumigen ist nicht im Gleichgewicht. Bei der geringsten Berührung erscheint die Asymmetrie. Und so ist es immer: Das Drinnen und das Draußen empfangen die Bewertungen, die unser Verhaftetsein mit den Dingen bestimmen, nicht in gleicher Weise. Man kann nicht in der gleichen Weise die Bewertungen erleben, die an das Drinnen und die an das Draußen geknüpft werden. Alles, auch die Größe, ist ein menschlicher Wert, und wir haben gezeigt, daß sogar die Miniatur Größe zu speichern vermag. Sie ist auf ihre Art weiträumig. Jedenfalls können das Drinnen und das Draußen, wenn sie in der Phantasie erlebt sind, nicht mehr einfach als reziprok angesehen werden. Indem wir künftig nicht mehr über Geometrie reden, um die ersten Ausdrücke des Seins zu sagen, indem wir konkretere, phänomenologisch genauere Ausgangspunkte wählen, werden wir Klarheit darüber bekommen, dass die Dialektik des Drinnen und des Draußen sich in unzähligen Nuancen vervielfältigt und abwandelt“[6].

Durch diese „Möglichkeitsausdehnung“ an Seinszuständen wird die Ausdrucksmöglichkeit von Erfahrbarkeit nicht nur ungemein erweitert, sondern darüber hinaus die Logik des räumlichen Seins – wie sie im Wiener-Fin-de-Siecle begründet wurde (Wittgenstein und Konsorten) – durchaus über den Haufen geworfen. Es gibt nicht mehr nur jenes oder dieses, nicht mehr nur die offene oder die geschlossene Tür, sondern auch Zwischenmöglichkeiten eines Seinszustandes. Und die Poetik einer solchen Betrachtung eröffnet uns das Fenster dazu, um solche „Zwischenmöglichkeiten“ des Seins sehen zu können. „Aus der dichterischen Sprache laufen Wellen von Neuheit über die Oberfläche des Seins. Und die Sprache trägt in sich die Dialektik des Geschlossenen und des Offenen. Durch die Bedeutung schließt sie sich, durch den dichterischen Ausdruck öffnet sie sich. […] Der Mensch ist das halboffenstehende Sein“.[7]


[1] Bachelard, Gaston (1957): Poetik des Raumes. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 167.

[2] Ebenda, S. 167

[3] Ebenda, S. 169

[4] Ebenda, S. 171

[5] Ebenda, S. 172 f.

[6] Ebenda, S. 174

[7] Ebenda, S. 175

Merleau-Ponty, Maurice (1961); „Das Auge und der Geist“

Merleau-Ponty will sich (im vorliegenden Text) auf das tatsächlich Geschehende, auf jene Reize eingehen, die wirklich auf das Auge treffen; er verwehrt sich dagegen, alles Rezipierte als „Sinnestäuschungen oder gegenstandslose Wahrnehmungen am Rande einer unzweideutigen Welt“[1] abzutun. Er stellt sich also die Frage, was unser Sehen von außen her beherrscht. Er will sich nicht mit unwirklichen Abbildungen der Gegenstände, wie Spiegelbildern oder Reflexen, beschäftigen, da diese für unsere Vorstellung der Welt irrelevant sind. Den einzigen zwei Komponenten, denen Merleau-Ponty in diesem Kontext eine relevante Stellung einräumt, sind das Ding und der reflektierte Lichtstrahl, „der mit dem ersten in einem geregelten Verhältnis steht“[2].

Ein Bild/Abbild ist deswegen nicht beachtenswert, weil es kein Leib ist. Merleau-Ponty spricht der oft zitierten „Macht der Bilder“ jegliche reale Wirkkraft ab. Und, er zweifelt ihre angebliche Ähnlichkeit mit der sichtbaren Welt an. Letzteres meint er allerdings auch in Bezug auf jene Bilder, die das Licht über die Zwischenstation Auge in unserem Gehirn aufzeichnet. „Das Sehen […] ist vielmehr ein Denken, das streng die im Körper gegebenen Zeichen entziffert“[3]. Ähnlichkeit steht also am Ende des Wahrnehmungsprozesses, nicht am Anfang. Dementsprechend wenig (bis keinen) Aufschluss gibt uns das geistige Bild über das Innerste des Seins.

So ist logischerweise das Malen (o.ä.) nur ein Trick, der sich der eingeübten, geregelten Zeichenstruktur (siehe z.B. Projektionslehre; wie male ich perspektivisch!?, …) bedient, um uns Wahrnehmung vorzutäuschen. Was der Malerei vollends fehlt, ist die dritte Dimension.

Der Mensch sieht die dritte Dimension im Entfernungsverhältnis zwischen seinem Körper und dem jeweiligen Objekt der Anschauung. Dinge überlagern oder verbergen sich in Wirklichkeit ja nicht; da aber der Wahrnehmende seinem Körper verhaftet ist, benötigt er die dritte Dimension um für ihn scheinbar hintereinander stehende Dinge zu ordnen. Gott benötigt diese „Fähigkeit“ nicht, da er den Raum und die Dinge in ihm voll entfaltet sehen kann.

Und demzufolge ist Tiefe für Merleau-Ponty Ausdruck der menschlichen Teilhabe am Sein des Raumes. Der Mensch ist also im Raum. Die Tiefe, die sich der Mensch beim Anblick eines Gemäldes einbilden kann, passt einwandfrei in Merleau-Pontys Argumentationsstruktur: er benennt den Mechanismus einer derartigen Visualisierung „Illusion einer Illusion“[4].

Der Raum ist die Evidenz des Wo. Jeder Punkt des Raumes ist dort, wird dort gedacht, wo er im Raum ist. „Orientierung, Polarität, Umhüllung sind in ihm abgeleitete Phänomene“[5]. Diese sind an die Gegenwart des Ichs, des Betrachters gebunden. Nur der Raum ruht absolut in sich, ist immer und überall stabil und homogen.

Folgen wir der Argumentation dieses Textes weiter, wird klar, dass wir dem Descarte’schen Raum-Denken (Idealisierung des Raums unter Bezugnahme auf drei rechtwinklige Achsen) verdanken, dass man die Grenzen dieser standpunktlosen Konstruktion erkennen, dass man verstehen konnte, dass Raum nicht jenseits jedwedes Gesichtspunktes gedacht werden kann. „Descartes hatte recht, als er den Raum befreite. Sein Fehler war, ihn zu einem ganz und gar positiv Seienden zu erklären“[6].

Merleau-Ponty lobt in diesem Zusammenhang – die thematische Überleitung offerieren einige der künstlerischen Inspirationen Descartes – die Malerei, und ihre Experimente mit Darstellung von Tiefe. Allerdings spricht er ihr ab, wirklich endgültige Aussagen treffen zu können. Die Malerei versucht, eine adäquate Darstellung vom Blickwinkel auf den – anstatt von der Entfernung zum – Gegenstand abhängig zu machen[7]. Jedoch, die Relevanz des Standortes des Betrachters im Raum macht es der Malerei unmöglich, räumliche Anschauung zu „ersetzen“. Eine symbolische Form kann nie an die Stelle eines Stimulus treten.

„Sehen ist ein bedingtes Denken“[8]. Es wird erzeugt durch Stimuli, die der Körper aufnimmt, die er nach – natürlich gegebenen – Regeln und Mechanismen verarbeitet, und so zum Denken „anregt“. Es hat nicht die Wahl, zu sein oder aber nicht zu sein.

Im Zentrum räumlicher Wahrnehmung steht der eigene Körper, oder vielmehr der Ort, den der Körper sozusagen bewohnt. Die Seele muss wissen, wo im Raum sich die Teile ihres Körpers befinden, um von da ausgehend die Lagen aller Punkte des Raumes – im Verhältnis zum eigenen Ort – „aufnehmen“ zu können.

Merleau-Ponty bezeichnet dieses von ihm skizzierte Szenario nur als „ein ‚Modell’ des Ereignisses“[9]. Er hinterfragt, woher denn die Seele den Raum ihres Körpers, den sie ja in weiterer Folge auf alle Dinge ausdehnt, kennt!? „Woher kennt sie dieses erste Hier, von dem jegliches Dort abstammt?“[10]. Der Körper, den sie bewohnt, ist für sie nicht ein Gegenstand unter anderen; sie orientiert ihr Denken an ihm. Von da ausgehend – in der natürlichen Vereinigung von Körper und Seele – ist die äußere Entfernung festgelegt. Der Körper als Ursprungsraum für die Seele und zugleich Matrix jedes anderen wirklichen Raumes.

Dementsprechend macht Merleau-Ponty zwei Dimensionen des Sehens aus: auf der einen Seite die automatisch – gewollt oder nicht – ablaufende Lektüre von Zeichen, auf der anderen Seite das im Körper eingerichtete Denken. „[E]in Sehen, von dem man nur eine Vorstellung haben kann, indem man es ausführt, und das zwischen den Raum und das Denken die autonome Ordnung eines aus Körper und Seele Zusammengesetzten einführt“[11], also ein tatsächliches Sehen. Natürlich ist dieses Denken nicht wahrhaftig, denn es ist an einen(!) Körper gebunden.

Das Wissen um diese unsere Position verdanken wir, so Merleau-Ponty, Descartes. Der Körper nicht mehr als Mittel der optischen und haptischen Wahrnehmung, sondern nur mehr als ihr Verwahrer. Wir sind das oben erwähnte Konvolut von Körper und Seele, und müssen aus dieser Position heraus, und aus dem Wissen um diese, denken. Raum wird vom Individuum – als Nullpunkt der Räumlichkeit – aus erfasst; er ist nicht mehr einfach ein Netz von Beziehungen zwischen Gegenständen. Ein Dritter erblickt den Raum nie als Zeuge des spezifisch individuellen Sehens.



[1] Merleau-Ponty, Maurice (1961); Das Auge und der Geist; in: Dünne, Jörg/ Günzel, Stephan; Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften; Suhrkamp Taschenbuch Verlag; Frankfurt am Main, 2006; S. 180.

[2] Ebenda, S. 181

[3] Ebenda, S. 182

[4] Ebenda, S. 184

[5] Ebenda, S. 185

[6] Ebenda, S. 185

[7] Ebenda, S. 185

[8] Ebenda, S. 187

[9] Ebenda, S. 187

[10] Ebenda, S. 187

[11] Ebenda, S. 188

Husserl, Edmund (1934); „Kopernikanische Umwendung der Kopernikanischen Umwendung“

Für Edmund Husserl sind Weltanschauung, die Anschauung einzelner Körper, Zeitanschauung und die Anschauung der Naturkausalität untrennbar mit der Anschauung von Raum verbunden. So wird bei ihm die Erde, damit eigentlich gemeint ist ihr Boden, zur Grundlage „für alle Körper in der Erfahrungsgenesis unserer Vorstellung“[1], als solches folglich zum Träger aller empirisch erfahrbaren Körper[2]. Es stellt sich die Erde also vorderhand in ihrer für Körper konstitutiven Funktion dar, die Sterne hingegen als nicht vollkommen zugänglich. Auf der Erde, an der Erde, von der Erde weg, auf die Erde hin, findet Bewegung statt. Ruhe und Bewegung haben erst in Bezug auf sie Sinn. Die Erde selbst ist ursprünglich in Bewegung; erst als zentrale Komponente des umfassenden Bezugssystems bewegt sie sich nicht. Die Erde, besser gesagt der Erdboden ist somit gedankliche wie reale Grundlage all dieser anfänglich erwähnten Anschauungen, sowie von Körpern, Bewegung, Beweglichkeit und Veränderlichkeit.

Dort wo Bewegung endet, zeichnet die Erfahrung die Möglichkeit von weiterer Bewegung vor. Körper sind wirklich in der Verwirklichung einer dieser Möglichkeiten. A priori sind diese Möglichkeiten alle offen. Doch erst „als seiende Möglichkeiten [… erhalten …] sie (Veränderung und Bewegung; Anm. d. Verf.) anschauliche Vorstellbarkeit, ihre anschauliche Ausweisung“[3]. Am Beginn liegt also das Husserl’sche Universum offener Möglichkeiten, als Grundbestand der apperzipierten – also bewusst wahrgenommenen – Welt, vor uns.

Durch die Notwendigkeit, sich ständig für die Ergreifung einer Möglichkeit entscheiden zu müssen, konstituiert sich die Welt aufsteigend (eine Entscheidung basiert auf der vorhergehenden Entscheidung, basiert auf der vorhergehenden Entscheidung, basiert …), und damit – so schließt Husserl daraus – ist die Welt „konstituiert in einer Horizonthaftigkeit, in welcher das Seiende als wirklich in den allzeit vorgezeichneten Seinsmöglichkeiten konstituiert ist“[4].

Diese ganz klar eingeschränkt potentielle Form von Welt bietet in weiterer Folge logischerweise einen einschränkenden Rahmen für alles weitere in der Welt zu Erwartende und Erfahrbare.

Wirkliche Erfahrung spielt sich also in diesem Rahmen sich induktiv vorzeichnender Möglichkeiten ab. Sie erfasst ein Stück eines sich der Wahrnehmung anbietenden Weltfeldes. Das „ergibt Körper in Ruhe oder Bewegung, in Unveränderung oder Veränderung [ …, und das] in einer aktuellen Vergemeinschaftung“[5] mit dem Erfahrenden (oder sogar einer Gruppe von Erfahrenden).

Nun stellt sich Husserl in direktem Anschluss an diese Überlegungen jedoch die Frage, welche Möglichkeiten wirklich sinnbestimmend für die vollkonstituierte Welt sind!? Seine Antwort ist ein Gegensatzpaar: Ruhe und Bewegung (in grundlegender Bezugnahme auf die Erde als Boden!). Im Kontext der offenen Möglichkeiten für Körper büßen sie allerdings an Absolutheit ein. Sie werden notwendig relativ.

Aber wie ist dann ein Körper (sein Ort, seine Zeitstelle, seine Dauer, seine Gestalt) bestimmt oder bestimmbar? Der Ausgangspunkt aller fortschreitenden Apperzeption ist bei Husserl das Ich (des Apperzipierenden). Die Vorstellung von Welt hält sich zu vorderst an dem Wahrnehmungsfeld des Individuums an; dessen Leib ist der ruhende(!) Zentralkörper unter anderen, also Orientierungs- und Bezugspunkt. Allerdings ist die Ruhe dieses Bodenkörpers – in Bezug zum Erdboden – relativ; weil sich zwar allein aus dieser Perspektive heraus alles andere rund um ihn bewegt (oder eben nicht) und nie der zentrale Körper der Apperzeption selbst. In Bezug zum Erdboden (welcher die absolute Ruhe verkörpert) allerdings, kann er sich sehr wohl bewegen. Der Erdboden selbst ist bei Husserl kein Körper, und dementsprechend kann er auch weder ruhen, noch sich bewegen. Es fehlt ihm die dazu nötige „Bezugsgröße“.

Die Erde kann ganz einfach deswegen nicht „als ein geschlossener Körper in Bewegung und Ruhe Sinn haben“[6], weil sie als Ganzes ein Einheitliches ist, auch wenn von ihr abgestückt wird, sich Körper von ihr selbst abstücken, oder aber eben in Relation zu ihr ruhen. Ein Körper hat seine Extension, seine Qualifizierung und im Raume seinen Ort. Demzufolge ist die Erde kein Körper. „Die Erde ist ein Ganzes, dessen Teile […] Körper sind, aber als ‚Ganzes’ ist sie kein Körper.“[7]

Der Erdboden ist ursprünglich konstituiert. Ihn umgibt Raum als offenes Nah-Fern-Feld von Körpern. Somit sind die Körper erdische Körper und der Raum Erdraum. Das Orientierungszentrum des Sinns ist das betrachtende Ich. Damit verleiht Husserl seinem Konzept von Raumerfahrung aber natürlich eine gewisse historizistische Komponente. Die Historizität liegt natürlich in den (vergangenen) Erfahrungen des „Orientierungszentrums“, also des Individuums, des Ichs. Der persönliche Bezug auf – beispielsweise – eine „Urheimat“, ein „Urterritorium“ ist letzten Endes ein relativer und nur eine Episode der einzigen(!) Urhistorie der Erde.

Die komprimierte Husserl’sche Definition von Erfahrung ist also „Historizität, in der sich die Welt und ihre körperliche Natur, naturaler Raum und Raumzeit, Menschheit und animalisches Universum konstituieren“[8].

Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen, darf nicht unerwähnt bleiben, dass Husserl ganz und gar nicht von der astrophysischen Annahme ausgeht, dass die Erde der „Mittelpunkt der Welt“ sei. Er gesteht der Phänomenologie zu, die kopernikanische Astrophysik umgeworfen zu haben; er will zwar betont wissen, dass die Erde ein Stern unter Sternen ist, und dass an der physikalischen Auffassung von Raum bezüglich der physikalischen Beziehungen zur Erde auch gar nicht gerüttelt werden soll. Jedoch, er argumentiert, dass „die Erde und wir Menschen, ich mit meinem Leib und ich in meiner Generation, meinem Volk usw. Also (sic!) auch diese ganze Geschichtlichkeit […] zum Ego unabtrennbar, und […] prinzipiell nicht wiederholbar […] ist“[9]. Alles bezieht sich demnach auf diese Historizität transzendentaler Konstitution als ständigen und sich ständig erweiternden Kern zurück.

Es besteht also ein gebundener Seinssinn, an den alle neu entdeckten Möglichkeiten anschließen; und dieser ist nun einmal auf der Erde urbeheimatet.[10]



[1] Husserl, Edmund (1934); Kopernikanische Umwendung der Kopernikanischen Umwendung; in: Dünne, Jörg/ Günzel, Stephan; Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften; Suhrkamp Taschenbuch Verlag; Frankfurt am Main, 2006; S. 153.

[2] Eingedenk dessen, dass Sterne nicht als Körper zu verstehen sind.

[3] Husserl, Edmund; S. 154

[4] Ebenda, S. 155

[5] Ebenda, S. 155

[6] Ebenda, S. 157

[7] Ebenda, S. 158

[8] Ebenda, S. 159

[9] Ebenda, S. 162

[10] Husserl schließt dezidiert nicht aus, dass auch andere Himmelskörper eine eigene Urheimstätte sein könnten. Was aber für die „gegenwärtige“ Auffassung, bzw. menschliche Erfahrung von Raum keine Relevanz besitzt.

Heidegger, Martin (1927); „Die Räumlichkeit des Daseins“

Heidegger betont und begründet die phänomenologische Idee des Raumes in der Zeit. Dabei grenzt er sich klar von „archäologischen Ansätzen“ bei Husserl oder den „geologischen Ansätzen“ von Merleau-Ponty ab. Für ihn besteht der Vorgang der Ergründung des Raumes in der „Destruktion“ der metaphysischen Systeme, das sich als transzendentale Beschreibung über die ursprüngliche Erfahrung gelegt hat. Insofern geht es Heidegger um eine neue Ontologie, befreit von den Irrtümlichkeiten der vorangegangenen Raumdiskursentwicklungen. Zentraler Irrtum und zugleich erste Begründung für seinen neuen Ansatz, ist die Diagnose, dass die Welt als Ganzes im philosophischen Bereich immer nur bezeichnet und nicht, wie notwendig, als Erfahrung von Wirklichkeit gedacht wurde.

Im vorliegenden Textauszug aus „Sein und Zeit“ geht es um die räumliche „Hervorbringung“ des Seins und deren Ausdehnung in der Welt.

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Lewin, Kurt (1917); „Kriegslandschaft“

Wie schon im vorangegangenem Artikel genauer ausgeführt, haben sich in der phänomenologischen Debatte drei unterschiedliche Diskurszugänge entwickelt: der frankophone, der deutsche und der anglophone. Einer der Hauptvertreter der anglophonen phänomenologischen Strömung ist Kurt Lewin. Unter anderen war Lewin eine der zentralen Figuren die zur Etablierung eines eigenständigen topologischen Zugangs zur Raumproblematik auf verhaltenswissenschaftlicher Grundlage beigetragen haben. „Für den Raum formulierte Lewin eine holistische Perspektive um zu einer „Ökologischen Psychologie“ zu gelangen, in der die Gesamtheit der Mensch-Umwelt-Beziehungen im Vordergrund stehen“. Die vorliegende Arbeit von Lewin beschreibt in ausgesprochener Praxisnähe die grundlegenden theoretischen Gedanken Lewins. Lewin, Kurt (1917); „Kriegslandschaft“ weiterlesen

Günzel, Stephan; „Phänomenologie der Räumlichkeit“

In der vorliegenden Einleitung versucht Stephan Günzel erneut, die in seinem und Jörg Dünnes Sammelband folgenden Texte zum Thema Raum prägnant und dennoch umfassend einzuleiten. An dieser Stelle sind es Vertreter der Phänomenologie, sowie ihrer Ableger oder Nachfolger, die sich mit dem Raumbegriff befassen. Texte von Kurt Lewin, Martin Heidegger, Edmund Husserl, Gaston Bachelard und Maurice Merleau-Ponty sollen in einem/n übergeordneten und verbindenden theoretischen wie wissenschaftsgesellschaftlichen Kontext vorgestellt und eingeordnet werden. Erneut gelingt es Günzel gut, die Hürde, komplexe Diskussionen und ihre Rahmenbedingungen auf wenigen Seiten in einer nachvollziehbaren Kontinuität darzustellen, unbeschadet zu überspringen.

Günzel, Stephan; „Phänomenologie der Räumlichkeit“ weiterlesen