Bodies in Urban Spaces

Ein interessantes Street Art Projekt betreibt der in Wien lebende Künstler und Choreograph Willi Dorner. Mit dem Projekt „bodies in urban spaces“ wird die Wahrnehmung des öffentlichen (Stadt)Raumes durch den Körper thematisiert.

Seit seiner Premiere 2007 lud Willi Dorners Kunstprojekt bodies in urban spaces in mehr als 70 Städten zu spannenden Spaziergängen durch die Stadtlandschaft. Auf vorab festgelegten, von Dorner sorgsam choreografierten Parcours bewegt sich ein Trupp jeweils vor Ort engagierter Tänzer, Performer und Parkour-Läufer durch Innenstädte weltweit. Bis zu 20 bunt gekleidete Personen verschränken und stapeln sich in Türnischen oder über Eingangsarchitraven, auf Treppenabsätzen oder Parkbänken. Als bizarre Körperskulpturen eröffnen sie kuriose Perspektiven und geben den Bewohnern ein überraschend anderes Stadterlebnis. Die temporären Interventionen konfrontieren mit irritierenden Nutzungsmöglichkeiten des öffentlichen Raums.

Auf arte war in der vergangenen Sendung tracks am 30.8. ein Bericht zum Projekt zu sehen.

Vor kurzem ist auch ein Bildband zum Projekt „bodies in urban spaces“ erschienen.

 

© Headerfoto: Lisa Rastl

 

#rp14

Vom 6. bis 8. Mai fand die medial vielbeachtete re:publica 14 Konferenz statt, die 2014 bereits zum dritten Mal durchgeführt wurde. Neben den zugegebenermaßen etwas skurril anmutenden Key-Note und „Botschafter“ David Hasselhoff, bot die Konferenz auch ein ganz ausgezeichnetes Dialogforum mit unterschiedlichen Settings und herausragenden Key-Note Speakern. Darüber hinaus ist es den Veranstaltern auch gelungen einen breit gefächerten Live-Stream einzurichten.

So hatte man – beispielsweise – die Möglichkeit Saskia Sassens Vortrag zum Thema Brutality and Complexity in the Global Economy zu verfolgen, was auch der Titel ihres neuen Buches ist.

Tolle Konferenz! Gratulation an das Veranstaltungsteam!

„Politik und Kooperation“ und „Territorialität und Gesellschaft“

Die wesentlichen Inhalte der Homepage european-spaces.eu – die zusammenfassenden Rezensionen zu zentralen Texten der Raumthematik – entstanden im Rahmen einer Projektidee die 2006 von Christoph Clar und mir ins Leben gerufen wurden. Wir wollten gemeinsam ein Dissertationsprojekt verfolgen, das zum Ziel hatte, die Begriffe Raum und Territorium politikwissenschaftlich einzuordnen und aufzuarbeiten. In diesem Arbeitskontext entstanden diese Homepage und vor allem auch die vorliegenden Rezensionen zu „Klassiker der Raumthematik“.

Das gemeinsame Projekt wurde zwar nicht wie ursprünglich geplant fertiggestellt, war aber Ausgangspunkt und Anregung für unsere individuell verfolgten Dissertationsprojekte.

Mit Publikation der Dissertationen (Neugebauer 2012; Clar 2013) sind diese Projekte nun abgeschlossen und werden nachfolgend Interessierten kurz vorgestellt:

 

Buch-CoverChristian Neugebauer

Organisationsentwicklung im Schatten der Hierarchie? Kooperation als Steuerungsmodell politischer Leistungen

242 S., 2012                                                            Carl Auer Verlag

Klappentext:

Zivilgesellschaften brauchen im Organisations- und Netzwerkdschungel effiziente Kooperationen, um anstehende öffentliche Aufgaben erfüllen und gestalten zu können: Dienstleistungsqualität für die Bürger erhöhen, Schnittstellenproblematiken zwischen den Organisationen lösen, nachhaltige Entwicklung sicherstellen.

Besonders aber im Schnittstellenbereich zur Politik sind Kooperationen attraktive Lösungsmodelle, da sie in Bereichen wirksam werden können, die nur schwer durch gesetzliche Regelungen zu gestalten sind oder außerhalb des politischen Kompetenzbereichs liegen. Doch bemerkenswerterweise liegen Kooperationsstrukturen quer zur Logik der Politik, wodurch eine Reihe an spannenden, interessanten und neuen Herausforderungen mit dem Aufbau, der Entwicklung und Beratung einer Kooperation verbunden ist.

Dieses Buch rückt das Verhältnis zwischen Politik und Organisationen der Zivilgesellschaft ins Zentrum. Am Beispiel eines Governance-Projektes beleuchtet der Autor die unterschiedliche Logik von Politik und Kooperation. In Theorie und Praxis werden die spezifischen Organisationsentwicklungsinterventionen, aber auch die damit verbundenen Probleme beschrieben.

Erhältlich bspw. bei Amazon.de oder direkt beim Carl-Auer-Verlag.

Buch-Cover

Christoph Clar

Kapitalismus und Raum: Die Territorialität kapitalistischer Gesellschaft

184 S., 2013                                                                      Wiener Verlag für Sozialforschung

Klappentext:

Das Buch untersucht die Bedeutung von exklusiver Territorialität für die kapitalistische Organisation von Gesellschaft. Territorium wird in vielen sozialwissenschaftlichen Überlegungen zu Staat, Macht- oder Herrschaftsverhältnissen als zentrale Komponente inkludiert, jedoch nie einer fokussierten Betrachtung unterzogen. Die Untersuchung identifiziert diese Komponente in gezielt ausgewählter theoretischer Literatur (Kapitalismuskritik; materialistische Interpretation von Raum; historisch-geographischer Materialismus; marxistische Staatstheorie; politische Ökonomie) sowie in historischen Analysen.

Im Zuge einer kritischen Analyse und der Anwendung auf das Fallbeispiel Niederlande werden die dieserart extrahierten Funktionen von Territorialität zu einem umfassenden Verständnis zusammengeführt. Diese Betrachtung liefert nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Territorien und territorialer Grenzen im Rahmen der Entstehung des Kapitalismus, sondern macht deren Bedeutung für den heutigen Kapitalismus und gegenwärtige Entwicklungen deutlich.

Erhältlich bspw. bei Amazon.de oder direkt beim Wiener Verlag für Sozialforschung.

Europa: Wer ist drinnen und wer ist draußen?

An den EU Außengrenzen herrscht ´Krieg´; das zeigt sich immer wieder an den katastrophalen Tragödien die sich in regelmäßigen Abständen ereignen und hunderten Menschen das Leben kosten.

Neben vielen fragwürdigen Zuständen, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt und noch weniger in den Medien diskutiert werden (bspw. die Rolle von Frontex; die Zustände in den Auffanglager; der Asylantrag ist nur nach einer illegalen Einreise möglich, etc.), ist es vor allem immer auch eine Frage wer ist drinnen und wer ist draußen. Es geht um Inklusion und Exklusion.

Hier zwei interessante Zugänge zur Thematik:

Die aktuelle Ausgabe der politikwissenschaftlichen Zeitschrift polar beschäftigt sich mit vielfältigen Aspekten zu Fragen der Inklusion und Exklusion und unter anderem auch mit politischen Fragen im Kontext der „Festung Europa“. Hier der Klappentext zur Ausgabe polar 15: Grenzen Drinnen/Draußen:

Mit dem sozialen Gefälle wachsen auch die Grenzzäune – nicht nur zwischen einzelnen Ländern und Regionen, sondern auch innerhalb der Gesellschaften selbst. Häuserzeilen und ganze Stadtviertel verschwinden hinter Mauern und Alarmanlagen – sie werden zu Gated Communities. Türsteher verweigern den Zugang zu exklusiven Räumen, Clubs und Netzwerke versprechen Vorteile für abstiegsgeängstigte Aufsteiger. Wer drin ist, schließt die Tür hinter sich ab! Wie könnte demgegenüber eine neue Politik der Inklusion aussehen? An welchen Orten, durch welche Institutionen kommt die Gesellschaft zusammen? polar 15 wirft einen Blick auf die Grenzpolitik in Europa und den USA, aber auch auf die unzähligen „Illegalen“, die inkognito unter uns leben. Ein Heft über die Desolidarisierung der Mitte und den Verlust des öffentlichen Raums, über die Chancen der Inklusion und den Abbau von Blockaden, über die neuen Grenzen in und um Europa, über Grenzverwischungen und geschützte Räume, die nach Grenzziehung verlangen.

 

Die österreichische Künstlergruppe gold extra hat sich bereits 2010 auf unkonventionelle Art und Weise (zumindest für diese Thematik) dem Thema „Festung Europa“ gewidmet. In dem realistischen Computerspiel frontiers schlüpft man als Spieler in die Rolle eines Flüchtlings (oder der Grenzpolizei) an der EU Außengrenze und hat so die Möglichkeit einen Eindruck von den Zuständen zu gewinnen.

Das Spiel ist Teil der Dauerausstellung „World of Games“ im Medienmuseum ZKM in Karlsruhe und wurde mittlerweile vom österreichischen Kulturministerium ausgezeichnet.

Badiou über die Frage: Wie erneuert sich eine Gesellschaft?

Die jüngste Wirtschafts- und vor allem Finanzkrise hat den westlichen Demokratien ihre Grenzen und wunden Punkte vor Augen geführt. Für viele hat sich gezeigt, dass das gegenwärtige System verändert, umgestaltet oder zumindest angepasst und adaptiert werden muss.

Offen blieb und bleibt jedoch die spannende Frage wie und was sollte verändert werden? Wo soll man ansetzten oder wie kann man aus der Ohnmacht entrinnen, die man als Teil einer beteiligten und interessierten Zivilgesellschaft empfindet, ohne sich vollends von politischen und gesellschaftlichen Fragen abzuwenden.

Alain Badiou, französischer Philosoph und Professor an der European Graduate School EGS, beschäftigt sich mit unter mit diesen Fragen und hat seinen alternativen Denkansatz in dem Artikel

„Affirmative Dialectics: from Logic to Anthropology“

(The International Journal of Badiou Studies, Vol. 2, Nr. 1, 2013) zusammengefasst.

Für Badiou geht es um die Wahrnehmung von Möglichkeitsereignissen die er „events“ nennt. Die Schwierigkeit besteht darin, solche zu erkennen und mit der Zeit auch deren Wirksamkeit wahrzunehmen.

Er wendet sich in seinem Denken gegen ein klassisches Verständnis von Revolution und propagiert die Erneuerung aus dem Bestehenden ohne in ein orthodoxes Schema der Ablehnung/Beführwortung des herrschenden Systems zu verfallen.

Nach der Lektüre des Textes bleiben aus meiner Sicht viele Fragen offen, jedoch bietet Badiou einen interessanten Zugang, um sich den oben aufgeworfenen Fragen anzunähern.


© Headerfoto von Siren-Com (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 oder GFDL], via Wikimedia Commons