Einträge von Christoph Clar

Europa entgrenzt.

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Sonntag, 10. Juni 2007

Lefebvre, Henri (1974); "Die Produktion des Raums"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Lefebvre geht in seinem – hier vorliegenden – Text von der These aus, dass (sozialer) Raum ein (soziales) Produkt ist. Dieser entsprechend, beginnt er mit der Erläuterung einiger daraus folgender Implikationen

1. (Physischer) Naturraum ist und bleibt zwar das Ursprüngliche des sozialen Prozesses, Quelle und Rohstoff; er bleibt als Bildhintergrund bestehen, aber eben nur mehr als Bildhintergrund, der sich dem bewussten Denken entzieht. Er rückt auf Distanz, „verwandelt sich in eine Fiktion, in eine negative Utopie“[1]. Er stellt sich nur mehr als Rohstoff dar, auf den die Produktivkräfte verschiedener Gesellschaften eingewirkt haben. Ziel dieses Einwirkens war/ist die Produktion eines ihnen eigenen Raums. Somit ist der Naturraum entleert, geschwächt, besiegt.

2. Jede Gesellschaft produziert einen ihr eigenen Raum (mit ihrer eigenen Raumpraxis). Raum besteht in seiner jeweils eigenen Genese, seiner Form, mit seinen spezifischen Zeiten und seiner spezifischen Zeit; für jede Gesellschaft, genauer gesagt „jede Produktionsweise (mode de production), die bestimmte Produktionsverhältnisse (rapports de production) beinhaltet“[2].



[1] Lefebvre, Henri; S. 330

[2] Lefebvre, Henri; S. 331

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Sonntag, 3. Juni 2007

Simmel, Georg (1903); "Über räumliche Projektionen sozialer Formen"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Georg Simmel sieht in vorliegendem Text den Untersuchungsgegenstand Raum und die diesen anvisierende Herangehensweise im Gegensatz zum damaligen (Anfang des 20. Jahrhunderts) Mainstream, oder zumindest zur alltäglichen Anschauung. Er wendet die Kausalkette gewissermaßen um, hinterfragt die Wirkung sozialer Vorgänge auf Raumgestaltung (und war damit einer der Ersten!).

 

Gebietshoheit, die Herrschaft über räumliche Gebiete ist für Simmel der(!) Ausdruck menschlicher Herrschaftsübung (über Menschen). Simmel begreift also nicht die Beherrschung von Gebiet als Beherrschung der darauf lebenden Menschen, sondern umgekehrt; sie ist bloße Abstraktion, Formulierung der Herrschaft über Personen. An welchen Orten sich die Beherrschten befinden, ist letztendlich nicht ausschlaggebend; daraus ergibt sich eine Unendlichkeit punktueller Möglichkeiten.

Personenbeherrschung ist also nie direkte Folge von Bodenbeherrschung (entgegen mancher historischer Beispiele, die Simmel selbst anführt). Ganz im Gegenteil, muss Ersteres immer ein besonderer Zweck sein, eine ausdrückliche Absicht – und somit „durch besondere Normen oder Machtübungen hergestellt“[1]. Folgerichtig ist Zweiteres etwas Sekundäres, die Folge.



[1] Simmel, Georg; S. 305

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Montag, 14. Mai 2007

Virilio, Paul (1984); "Die Auflösung des Stadtbildes"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Paul Virilio macht sich in vorliegendem Text – aus einem architektonischen Blickwinkel – Gedanken über das Verschwinden oder gar die Auflösung der – ehemals baulich klar definierten – Grenzen von Großstädten. Die moderne Großstadt darf – wenn sie überhaupt eine geographische Position hat – nicht mehr an der klaren Unterscheidung Stadt/Land, Zentrum/Peripherie festgemacht werden.

Virilio führt dafür einerseits die Wucherung von Vorstädten, die Veränderungen im Transportwesen, die Entwicklung neuer Kommunikations- und Telekommunikationsmedien ins Treffen. Auf der anderen Seite fokussiert er aber auch auf die materialen Veränderungen im Städtebau (vom Verlust der „Opazität der Bau-Werkstoffe“[1] bis zu der Evolution einer „elektronischen Topologie“[2]).

Er beschreibt die veränderte Stadtarchitektur, die Dominanz technischer Kultur, eine vermeintliche Immaterialität ihrer Bestandteile, den Verlust eines handwerklich hergestellten Gewebes als Raum für eine Einschreibung städtischer Kultur, und letztendlich eine damit einhergehende Verschiebung und Erschütterung ehemals klar definierter und strukturierter Raum-Zeit-Beziehungen (Abhängigkeit des Tag-Nacht-Rhythmus von natürlichem Tageslicht, o.ä.). 



[1] vgl.: Virilio, Paul; S. 262

[2] ebd.

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Freitag, 4. Mai 2007

Leroi-Gourhan, André (1965); "Die symbolische Domestikation des Raums"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Mit Leben erfüllte Formen gibt es nur durch eine Einbettung in ihre jeweilige mit einem menschlichen Symbolsystem angefüllte soziale Umgebung. „Die menschliche Tatsache par excellence ist [..] die Domestikation von Zeit und Raum.“[1]

Die raum-zeitliche Wahrnehmung an sich existiert von Anfang an; dementsprechend macht sich Leroi-Gourhan im vorliegenden Text – aufbauend auf dieser grundsätzlichen Annahme – auf die Suche und Analyse von Spuren des Übergangs von einem passiv hingenommenen zu einem konstruierten – und demzufolge humanisierten – Raum (der seiner Ansicht nach die Menschen von Tieren unterscheidet).



[1] Leroi-Gourhan, André; S. 228

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Mittwoch, 18. April 2007

Doetsch, Hermann (2006); "Körperliche, technische und mediale Räume"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Seit Kant wird Raum (wieder) untrennbar vom wahrnehmenden Subjekt gedacht. Entscheidende Folge ist die gegenseitige Abhängigkeit der Variablen Raum, Subjekt und Wahrnehmung. Im auf Kant folgenden 19. Jahrhundert war Wahrnehmung also „Effekt der Einwirkung der Umwelt auf den jeweiligen, kontingenten und Veränderungen in Zeit und Raum unterworfenen Körper“<!--[if !supportFootnotes]-->[1]<!--[endif]-->. Folgerichtig verliert der Körper seine Funktion als subjektive, bewusst wahrnehmende Instanz. „Die Bedingungen von Wahrnehmung [so skizziert Doetsch also] sind Variablen eines labilen Gefüges aus körperlichen und technischen Bedingungen, die sich in Signalen verdichten und stabilisieren“<!--[if !supportFootnotes]-->[2]<!--[endif]-->. Als Zentralbegriff dieses Gefüges und seiner konzeptionellen Erfassung im darauf folgenden 20. Jahrhundert erkennt Doetsch Medien. Logischer Schluss daraus wäre die Annahme von Raum als Effekt der Medien.

Dieser theoretischen Erkenntnis zugrunde liegende Überlegungen sind (in der Auswahl von Jörg Dünne und Stephan Günzel) vorderhand André Leroi-Gourhans Theorie der Anthropogenese und Jacques Lacans Theorie der Genese des Subjekts.

<!--[if !supportFootnotes]-->

<!--[endif]-->

<!--[if !supportFootnotes]-->[1]<!--[endif]--> Doetsch, Hermann; S. 195

<!--[if !supportFootnotes]-->[2]<!--[endif]--> Doetsch, Hermann; S. 195

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Montag, 9. April 2007

Vorläufige Vorgehensweise; Planungsideen April 2007

Geschrieben von Christoph Clar in Projekt Fortschritte
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Vorüberlegungen (stichwortartig):

 

Wir nehmen an, dass der Europäische Raum ein relativ willkürlich konstruiertes, kognitives Konstrukt ist. Könnte man diese Annahme nachweisen, die Konstruktion nachzeichnen, könnte man in direktem Anschluss dieses Konstrukt in seiner Funktion als Mittel der Abgrenzung ad absurdum führen (zum Beispiel oder vor allem in seiner wissenschaftlichen Verwendung). Auch wenn die Annahme der Konstruktion des Europäischen Raums bei genauem Hinsehen von vielen Seiten bestätigt würde und keine neue Erkenntnis darstellt, wird dieses Konstrukt nach wie vor unwidersprochen verwendet und Annahmen darauf aufgebaut. So bedient sich beispielsweise die Wissenschaft gerne an dieser willkommenen Reduktion der schwierig zu erfassenden Komplexität des internationalen Systems.

Der Raum-Diskurs ist dabei nicht Mittel, sondern Ausdruck dieser Fehlentwicklung. Eine Analyse des Diskurses soll demnach die Verwendung des Begriffes Europäischer Raum aufschlüsseln; inklusive aller darauf einwirkenden Variablen. So sollte man zu den Wurzeln der Konstruktion der gegenwärtigen Auffassung von Europäischer Raum vorstoßen können.

Welche Kriterien von Raum erfüllt diese Konstruktion (siehe z.B. Weichharts Räume)? Welchen Nutzen erfüllen diese (z.B. Identitätsstiftung, Reduzierung von Komplexität, etc.)? Und welche Probleme ergeben sich daraus (z.B. verkürzte wissenschaftliche Darstellung, Verwendung als Legitimation von Politik der Aus- und Abgrenzung, etc.)?

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Samstag, 24. März 2007

Weichhart, Peter (1999); "Die Räume zwischen den Welten und die Welt der Räume"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Eingedenk dessen, „wie sehr wir in unserer Auseinandersetzung mit der Realität [...] von unseren kognitiven Konstrukten und unserer Sprache bestimmt werden“[1], geht der Autor Peter Weichhart im vorliegenden Artikel auf die Konzeption eines, wenn nicht des(!) Schlüsselbegriffes der Geographie ein; Raum. Er tut diesen Schritt primär aus der Sicht eines Geographen, bereitet die relevanten Ansätze jedoch sehr disziplinenübergreifend anschlussfähig und für Vertreter (anderer) Sozialwissenschaften nicht nur verständlich sondern auch nutzbar auf.

Grundlage seiner hier dargelegten Überlegungen ist die Einbettung in den Kontext des diesen Artikel beherbergenden Sammelbandes zur handlungsorientierten Sozialgeographie Benno Werlens’. Werlen ist jener Vertreter der Human- und/oder Sozialgeographie, der das Projekt der subjektzentrierten Handlungstheorie als konzeptionelle und methodische Grundlage für seine Disziplin am weitesten vorantrieb. Werlen fordert eine grundlegende Umorientierung des geographischen Tatsachenblicks. Seine Sozialgeographie der alltäglichen Regionalisierungen soll eine Neuformulierung des Raumbegriffes ermöglichen bzw. anbieten.



[1] Weichhart, Peter; S. 67

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Dienstag, 13. März 2007

Merleau-Ponty, Maurice (1961); "Das Auge und der Geist"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Merleau-Ponty will sich (im vorliegenden Text) auf das tatsächlich Geschehende, auf jene Reize eingehen, die wirklich auf das Auge treffen; er verwehrt sich dagegen, alles Rezipierte als „Sinnestäuschungen oder gegenstandslose Wahrnehmungen am Rande einer unzweideutigen Welt“[1] abzutun. Er stellt sich also die Frage, was unser Sehen von außen her beherrscht. Er will sich nicht mit unwirklichen Abbildungen der Gegenstände, wie Spiegelbildern oder Reflexen, beschäftigen, da diese für unsere Vorstellung der Welt irrelevant sind. Den einzigen zwei Komponenten, denen Merleau-Ponty in diesem Kontext eine relevante Stellung einräumt, sind das Ding und der reflektierte Lichtstrahl, „der mit dem ersten in einem geregelten Verhältnis steht“[2].



[1] Merleau-Ponty, Maurice; S. 180

[2] Merleau-Ponty, Maurice; S. 181

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Donnerstag, 8. März 2007

Husserl, Edmund (1934); "Kopernikanische Umwendung der Kopernikanischen Umwendung"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Für Edmund Husserl sind Weltanschauung, die Anschauung einzelner Körper, Zeitanschauung und die Anschauung der Naturkausalität untrennbar mit der Anschauung von Raum verbunden. So wird bei ihm die Erde, damit eigentlich gemeint ist ihr Boden, zur Grundlage „für alle Körper in der Erfahrungsgenesis unserer Vorstellung“[1], als solches folglich zum Träger aller empirisch erfahrbaren Körper[2]. Es stellt sich die Erde also vorderhand in ihrer für Körper konstitutiven Funktion dar, die Sterne hingegen als nicht vollkommen zugänglich. Auf der Erde, an der Erde, von der Erde weg, auf die Erde hin, findet Bewegung statt. Ruhe und Bewegung haben erst in Bezug auf sie Sinn. Die Erde selbst ist ursprünglich in Bewegung; erst als zentrale Komponente des umfassenden Bezugssystems bewegt sie sich nicht. Die Erde, besser gesagt der Erdboden ist somit gedankliche wie reale Grundlage all dieser anfänglich erwähnten Anschauungen, sowie von Körpern, Bewegung, Beweglichkeit und Veränderlichkeit.



[1] Husserl, Edmund; S. 153

[2] Eingedenk dessen, dass Sterne nicht als Körper zu verstehen sind.

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Freitag, 2. März 2007

Günzel, Stephan; "Phänomenologie der Räumlichkeit"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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In der vorliegenden Einleitung versucht Stephan Günzel erneut, die in seinem und Jörg Dünnes Sammelband folgenden Texte zum Thema Raum prägnant und dennoch umfassend einzuleiten. An dieser Stelle sind es Vertreter der Phänomenologie, sowie ihrer Ableger oder Nachfolger, die sich mit dem Raumbegriff befassen. Texte von Kurt Lewin, Martin Heidegger, Edmund Husserl, Gaston Bachelard und Maurice Merleau-Ponty sollen in einem/n übergeordneten und verbindenden theoretischen wie wissenschaftsgesellschaftlichen Kontext vorgestellt und eingeordnet werden. Erneut gelingt es Günzel gut, die Hürde, komplexe Diskussionen und ihre Rahmenbedingungen auf wenigen Seiten in einer nachvollziehbaren Kontinuität darzustellen, unbeschadet zu überspringen.

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Freitag, 23. Februar 2007

Uexküll, Johann Jakob von; "Gedanken über die Entstehung des Raumes"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Uexkülls Beschäftigung mit der Entstehung des Raumes beginnt – in diesem Text – bei Kant, und dessen Nachweis einer „überall wirksame[n] Urkraft, die er nach ihren Leistungen die produktive Einbildungskraft nannte“[1]. Uexküll nennt diese im Folgenden produktive Bildungskraft, und beschreibt sie als jene Kraft, die es dem Individuum ermöglicht, „zahlreiche und verschiedenartige Teile zu einem neuen einheitlichen Ganzen zusammenzufassen.“[2] Eindrücke (Sinnesempfindungen) machen Elemente aus; aus diesen sind/werden Gegenstände zusammengesetzt – die Bildungskraft formt also Sinnesempfindungen zu einer neuen Einheit. Diese Formung erfolgt nach inneren feststehenden Regeln, welche Teil der Seele sind, und vergleichbar zu Strukturteilen materieller Organismen funktionieren.



[1] Uexküll, Johann Jakob von; in: Dünne, Jörg/ Günzel, Stephan; S. 85

[2] Uexküll, Johann Jakob von; in: Dünne, Jörg/ Günzel, Stephan; S. 85

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Donnerstag, 22. Februar 2007

Leibniz, Gottfried Wilhelm; Briefwechsel mit Samuel Clarke

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Der Anfang des vorliegenden Briefwechsels zwischen Gottfried Wilhelm Leibniz und Samuel Clarke – über Raum und verschiedene dazugehörende philosophische Komponenten –  datiert vom November des Jahres 1715 und fand sein Ende durch Leibniz’ Tod am 14. November 1716 in Hannover.

Im Folgenden sollen die wichtigsten inhaltlichen Eckpfeiler der vorliegenden Debatte der Beiden nachgezeichnet werden; die Schwierigkeit besteht ganz sicher darin, dass Leibniz und Clarke aus ihren wissenschaftlichen und philosophischen Überlegungen heraus argumentieren, ohne – aufgrund der privaten Natur eines persönlichen Briefwechsels – auf außenstehende, geschweige denn eine gewisse Vorbildung vermissende Leser einzugehen. Dementsprechend abrupt und unvermittelt der Einstieg in die inhaltliche Debatte ...

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Donnerstag, 22. Februar 2007

Günzel, Stephan; "Physik und Metaphysik des Raums"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Als einer von zwei Herausgebern des umfassenden Überblicks Raumtheorie über Grundlagentexte und Klassiker des raumtheoretischen Diskussionsprozesses, die noch heute keinerlei Gültigkeit und Relevanz für eine Betrachtung dieser philosophisch-kulturwissenschaftlichen Debatte vermissen lassen, übernimmt Stephan Günzel im vorliegenden Text die Aufgabe, dem Leser sehr aufschlussreiche einleitende Grundgedanken und Verweise auf historische Rahmenbedingungen mit auf den Weg zu geben. Und zwar für jene Beiträge zu dieser Debatte, die der Ansicht der Herausgeber nach, den Diskurs des 20. Jahrhunderts mitgeprägt haben, obwohl sie zum Teil mehrere Jahrhunderte zuvor erzeugt worden waren. Sind es in den anderen fünf Teilen des Buches Texte, die ausschließlich im Verlauf des 20. Jahrhunderts (oder frühestens Ende des 19. Jahrhunderts) entstanden, so müssen die im Folgenden zusammengefassten Erläuterungen einen Text von René Descartes (aus dem Jahre 1644), einen Briefwechsel zwischen Gottfried Wilhelm Leibniz und Samuel Clarke (1715/1716), und drei Schriftsegmente von Immanuel Kant (zw. 1768 und 1786), sowie ein Dokument von Jakob Johann von Uexküll (1913) und eines von Albert Einstein (1954) umrahmen und in einen gemeinsamen Kontext, eine konsistente Genealogie einbetten.

Insgesamt sollen die Texte des auch diese Einleitung beinhaltenden Sammelbands u.a. in folgenden Kontext eingeordnet dargestellt werden:

-         Denken des Autors

-         Zeitgenössische Diskussion

-         Anschluss zur gegenwärtigen raumtheoretischen Debatte

-         Anschluss an den Gesamtdiskurs

 

Der vorliegende Einleitungstext soll diese Anforderungen in Bezug auf eben erwähnte fünf Autoren und ihre Gedanken erfüllen; zu diesem Zwecke nähert sich Günzel – unter Berücksichtigung auch anderer einflussreicher Denker und Wissenschafter als nur der eben erwähnten – chronologisch an den Raumbegriff an.

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Sonntag, 18. Februar 2007

Keller, Reiner; „Wissen oder Sprache? Für eine wissensanalytische Profilierung der Diskursforschung“

Geschrieben von Christoph Clar in Diskurstheorie, Methodologie
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Reiner Keller geht nach einer kurzen Skizzierung der Schwachstellen und verkürzten Instrumentarien der den Sozialwissenschaften zur Verfügung stehenden Diskursanalyse sofort daran, eine neue Herangehensweise an Diskurse auszuarbeiten. Er schlägt „einen anderen ‚Ausweg’ aus der skizzierten Problemkonstellation vor: die Übersetzung des diskurstheoretischen und diskursanalytischen Programms in die (Hermeneutische) Wissenssoziologie und, damit einhergehend, die Nutzung methodischer Werkzeuge aus der qualitativen Sozialforschung.“[1]

Im vorliegenden Text nimmt er Anleihen an geschichtswissenschaftlichen Zugängen von Achim Landwehr und Philipp Sarasin, baut sein Gedankengebäude aber auch auf dem Fundament der Kritik an ihren Perspektiven auf. Weiters lehnt er sich verstärkt an Foucault`s Blickwinkel bzgl. Diskursanalyse an, lässt aber auch diesen nicht unangetastet. Zum Abschluss beschäftigt er sich durchaus praxisorientiert mit möglichen methodischen Arbeitsschritten, um seine theoretischen Vorüberlegungen für Sozial-, vor allem aber Geschichtswissenschafter anwendbar zu machen.



[1] Keller, Reiner; S.12

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