Einträge von Christian Neugebauer

Europa entgrenzt.

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Freitag, 12. September 2008

Veranstaltungshinweis: "EMERGENZEN 7: OPEN ACCESS"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Veranstaltungen
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Vom Randphänomen zum Leitparadigma in Wissenschaftspolitik, Archivierungspraktiken und wissenschaftlicher Selbstrepräsentation.

das vom BM.WF_a und der Universität Wien geförderte Projekt "Kakanien revisited" - Internetplattform für MOE und SOE-Wissenschaft möchte Sie gerne einladen zum Workshop Open Access

am 4.10.2008
im Marietta-Blau-Saal der Universität Wien
________________________


we would like to invite you to the Workshop on Open Access, organised by the Internet platform "Kakanien revisited" for CEE and SEE Studies, funded by the Austrian Ministry for Education and Science and by the University of Vienna.

Date: October 4, 2008
Location: Marietta-Blau-Saal, U of Vienna

________________________

Kontaktinformation:

dr. ursula reber
kakanien revisited - internetplattform für mittelost- und 
südosteuropa-forschung
www.kakanien.ac.at
www.kakanien.ac.at/weblogs/editor

 

Sonntag, 4. November 2007

Vorläufige Vorgehensweise; Projektoutline November 2007

Geschrieben von Christian Neugebauer in Projekt Fortschritte
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Während unserer ersten Phasen der inhaltliche Bearbeitung des vorliegenden Themas entlang  des "Projektplanes Juli 2007" wurden wir uns dessen konzeptiven Schwächen immer bewusster. Dementsprechend ist der vorliegende Projektplan nach dem Kredo orientiert: „Einschränken“, „Ausdifferenzieren“, „Konkretisieren“;

 

Arbeitstitel: Zur Genese eines politischen Raumes (in Europa?)

 

Forschungsfrage:

Was bedeutet der Begriff ‚(Europäischer) Raum’ in seiner politikwissenschaftlichen Verwendung? Wie verwenden gegenwärtige theoretische Ansätze den Begriff? Welche Konzeption von Raum haben sie/setzen sie voraus?

 

Hypothese:

Der Begriff ‚Raum’ wird nach wie vor in seiner für Nationalstaaten relevanten Form verwendet und nicht an die veränderten Voraussetzungen für neue theoretische Überlegungen angepasst.

 

Untersuchungsgegenstand:

Ausgesuchte theoretische Ansätze der (Politik)wissenschaft.

 

Methode:

Begriffsanalyse/Literaturvergleich/Theoriekritik

 

Vorgehensweise:

Theoretisch unterlegt wird unsere kritische Herangehensweise von einer Kritik am methodologischen Nationalismus. Es geht hierbei um die Kritik an der nationalstaatlich dominierten theoretischen Herangehensweise in der Politikwissenschaft/den Internationalen Beziehungen.

 

Wir gehen davon aus, dass Raum im politischen Kontext keine Kategorie a priori ist, die ursächlich Einfluss auf gesellschaftliche Handlungen nimmt. Raum wird durch gesellschaftliches Handeln – nicht zielgerichtet! – konstruiert, wirkt erst dann zurück. Die Herausbildung des für Territorialstaaten (daran anschließend Nationalstaaten) relevanten Raums – ursprünglich Territorium – wird durch die Kritische Theorie im Kontext des Entstehens und Voranschreitens des Kapitalismus erklärt.

Daran anschließend zeichnen wir die Entwicklung der zentralen Funktionen von Raum für den seit da an die Internationalen Beziehungen dominierenden und damit einhergehend auch in den Betrachtungen der Politikwissenschaft die Hauptrolle spielenden Akteur Nationalstaat nach.

Diese Funktionen sollen in weiterer Folge der Analyse neuerer politikwissenschaftlicher Ansätze (vermutlich: Global Governance und Kosmopolitismus[1]) dienen. Die klassischen Funktionen von (nationalstaatlichem) Raum werden also den Funktionen der Raum-Konzeptionen dieser Ansätze gegenübergestellt.

Welche Konzeptionen von Raum werden in der Debatte vorausgesetzt, angenommen, o.ä.? Beschäftigen sich diese überhaupt mit den vorangegangenen Überlegungen zu den Funktionen von Raum? Übernehmen sie einfach Raum in seiner nationalstaatlich konotierten Verwendung? Werden derartige Überlegungen überhaupt mitgedacht?

 

Ziel:

Analyse der Verwendung der Kategorie Raum in neueren Ansätzen der Politikwissenschaft. Theoriekritik.

 

 



[1] Weil beide zu einem Großteil den Anspruch erheben, die nationalstaatlich dominierte Politik(wissenschaft) zu überwinden, bzw. dem Nationalstaat eine veränderte Rolle (manchmal sogar einen Bedeutungsverlust) attestieren.

 

Mittwoch, 8. August 2007

Lotman, Jurij (1970); "Künstlerischer Raum, Sujet und Figur"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Lotman versucht in seinem Text dem Raum der Literatur und Kunst nachzugehen. Lotmans Abhandlung ist insofern von Relevanz als er den „symbolischen Raum der Literatur nicht mehr ausgehend vom originären Zentrum eines reflexiven Erfahrungssubjektes“[1] fasst, sondern an die Stelle bewusstseinsphilosophischer und medienanthropologischer Metareflexion tritt bei Lotman der Raum als Erzeugnis kulturell bestimmter Zeichenverwendungen. Dadurch hebt sich Lotman klar von den subjektsbezogenen Ansätzen eines Schmarsows oder Herrmanns ab.


[1] Lüdeke, Roger (2006): Ästhetische Räume. Einleitung. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 457

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Montag, 6. August 2007

Herrmann, Max (1931); "Das theatralische Raumerlebnis"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Die Projektrelevanz des vorliegenden Textes von Max Herrmann ist zugegeben gering, dennoch wird er in seinen Grundzügen rezitiert. Gerade weil Herrmann Überlegungen zum „theatralischen Raumerlebnis“ als zentrales Gründungsdokument einer Theaterwissenschaft verstanden werden kann, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegenüber der Literaturwissenschaft programmatisch für unabhängig erklärte. Herrmann distanziert sich von der klassischen Vorstellung, dass der theatralische Raum mit dem Bühnenraum und der dramatische Raum des theatralischen Textes als Aufführungsgrundlage identisch ist. Dadurch gelingt Herrmann die Abgrenzung zur klassischen positivistisch-quellengeschichtlich geprägten Theatergeschichte dessen vorrangiges Interesse den geschichtlich variablen Formen des Bühnen- und Besucherraums gilt.
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Donnerstag, 26. Juli 2007

Schmarsow, August (1894); "Das Wesen der architektonischen Schöpfung"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Der vorliegende Text – Schmarsows Leibziger Antrittsvorlesung von 1893 – ist ein disziplinäres Gründungsdokument, um Architektur aus den Niederungen einer reinen formalen Baudisziplin hin zu einer freien Kunstwissenschaft zu erheben. Schmarsow begründete dadurch eine neue Epoche der Architektur, die sich seit damals in die Riege der „Schönen Künste“ als ein tektonisches Kunsthandwerk einreihen lässt.

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Mittwoch, 13. Juni 2007

Schmitt, Carl (1950); "Das Recht als Einheit von Ordnung und Ortung"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Auf die problematische Distinguiertheit Schmitts in Bezug auf seine enge Affinität zum Nationalsozialismus sowie seiner fatalistischen Nähe zum negativ konnotierten Begriff „Geopolitik“ wurde in einem anderen Artikel schon hingewiesen. Es wird nun versucht den vorliegenden Artikel soweit als möglich sachlich zu exzerpieren und wieder zu geben. Auch wenn es sich nicht vermeiden ließ (ganz bewusst nicht) die persönliche – diametral zum schmitt´schen Ansatz stehende – Einstellung des Verfassers der vorliegenden Zusammenfassung zu verbergen.

Schmitt beginnt seinen Text zur Raumbetrachtung mit einer Darstellung seiner Ausgangslage, auf der seine Überlegungen aufbauen. Für ihn ist die Erde – typisches rechtsgerichtetes Denken: mythisch als Mutter alles Seienden gedacht – in dreifacher Weise die Wurzel von Recht und Gerechtigkeit. Erstens birgt die Erde in ihrer Fruchtbarkeit ein inneres Maß, das über Wachstum und Ernte die Mühen seiner Besteller gerecht belohnt. Zweitens weist die Erde feste Linien auf, die Ausdruck der Bearbeitung des Bodens durch den Mensch darstellen. Drittens trägt die Erde menschliche Räumlichkeiten (Häuser, Grenzsteine, Bauwerke, usw.), die Ausdruck von Ordnung und Ortungen menschlichen Zusammenlebens offenbaren. Dadurch werden Strukturen der Gesellschaft öffentlich sichtbar gemacht.
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Mittwoch, 13. Juni 2007

Braudel, Fernand (1949); "Géohistoire und geographischer Determinismus"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Braudel beginnt seinen Text mit einer Skizzierung dessen, was Geohistoire bedeutet und in weiterer Folge welchem Anspruch seine Arbeit geschuldet ist. Braudel hat ein zweifaches Anliegen: Erstens geht es darum Geographie nicht nur als Humangeographie der gegenwärtigen Probleme zu begreifen, sondern auch gegenüber den historischen Entwicklungen und Erkenntnissen – gemeinhin der Zeit an sich – entsprechend Rechnung zu tragen. Zweitens geht es darum aus einer historischen Geographie die sich ausschließlich der Untersuchung von Staatsgrenzen und dessen administrativen Einheiten verschrieben hat, eine wirkliche retrospektive Humangeographie zu entwickeln, die auch die Erde und deren topologischen Eigenheiten (Klima, Boden, Lebewesen, gewerbliche Aktivitäten) nicht nur berücksichtigt, sondern auch in einen kausalen Zusammenhang bringen kann.

Für Braudel ist gerade das Mittelmeer ein sowohl zeitlich als auch materiell akkurates Forschungsbiotop, an dem solch ein zweifacher Anspruch verwirklicht werden kann.[1] „Ist es nicht ein Verbund halbautonomer Welten, eine Föderation lebenskräftiger, unverwechselbarer und doch stets miteinander vergleichbarer Mittelmeerräume? Die Erfahrungen folgen hier in geschwisterlich erlebter Eintracht miteinander.“[2]


[1] Für eine umfassende und doch kompakte Einführung in Braudel´s Arbeiten zum Mittelmeer vgl. Braudel, Fernand / Duby, Georges / Aymard, Maurice (2006): Die Welt des Mittelmeeres. Zur Geschichte und Geographie kultureller Lebensformen. Fischer Verlag: Frankfurt.

[2] Braudel, Fernand (1949): Géohistoire und geographischer Determinismus. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 397

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Sonntag, 10. Juni 2007

Dünne, Jörg (2006); "Politisch-geographische Räume"

Geschrieben von Christian Neugebauer in
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In den folgenden sechs Texten die auf dieser Homepage zusammengefasst veröffentlicht (Ratzel, Braudel, Schnmitt, Arendt sowie Deleuze/Guattari) werden, wird das schon einmal behandelte Thema der Verhältnisse zwischen sozialen und physischen Räumen noch einmal aufgegriffen und um die spezielle Perspektive politischer Relationen erweitert. Wobei die Bezugsgröße „politische Relation“ nicht allein auf die Kategorie Staat zu reduzieren ist.

Im Spannungsfeld zwischen Politik und Geographie geht es zum einen um die Frage wie politische Institutionen in geographischen Räumen verortet werden und zum anderen durch welche räumliche Rahmenbedingungen sie sich überhaupt erst konstituierbar machen.[1]

Besonders zentral – und das betrifft vor allem auch spezielle Erkenntnisinteressen unseres Forschungsprojektes – ist die Frage „inwiefern der Ursprung politischen Handelns seit der Antike mit der Einnahme eines Territoriums verknüpft ist […].“[2]



[1] Vgl. Dünne, Jörg (2006): Politisch-geographische Räume. Einleitung. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 371

[2] Dünne a.a.O. S. 371

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Sonntag, 10. Juni 2007

Bourdieu, Pierre (1989); "Sozialer Raum, symbolischer Raum"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Bourdieus Ansatz – und darauf baut seine wissenschaftliche Arbeit auf – ist zwar hinlänglich bekannt, aber trotzdem wird in einigen wenigen Sätzen darauf eingegangen. Die innerste Logik der sozialen Welt lässt sich nur fassen, wenn man in die „Besonderheit einer empirischen, in der Geschichte räumlich und zeitlich bestimmbaren Realität eindringt, aber nur um sie als ´besonderen Fall des Möglichen´ zu konstruieren, [...] also als Einzelfall in einem endlichen Universum von möglichen Konfigurationen.“[1]

In dieser Aussage lässt sich zum einen Bourdieus grundsätzliches Paradigma erkennen und zum anderen schwingen hier auch schon die Grundzüge seines Raumverständnisses mit. Für Bourdieu dient die Analyse des sozialen Raumes immer dem Zweck das Invariante, somit die Struktur der beobachteten Variante zu erfassen.

Die Struktur oder Prinzipien der Konstruktion des sozialen Raumes oder die Mechanismen der Reproduktion dieses Raumes lassen sich nur hervorbringen, wenn es gelingt räumliche Möglichkeiten (Varianten) als Modell mit dem Anspruch auf universelle Gültigkeit unterschiedlicher Kollektivgeschichten zu vergleichen. Wobei hiermit nicht nur unterschiedliche geschichtswissenschaftliche Zeitabschnitte gemeint sind, sondern vor allem auch kulturell unterschiedliche Räume.


[1] Bourdieu, Pierre (1989): Sozialer Raum, symbolischer Raum. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 354

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Samstag, 9. Juni 2007

Foucault, Michel (1967); "Von anderen Räumen"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Foucault beginnt seinen fundamentalen Text zum Raum mit einer prinzipiellen Überlegung: War das 19. Jahrhundert noch eine Epoche der Geschichte – geprägt von Themen wie Entwicklung, Stillstand, Krise, Zyklus oder auch Akkumulation des Vergangenen – so befindet sich die Gegenwart in einem Zeitalter des Raumes. Für Foucault leben wir in einer Epoche der Gleichzeitigkeit, des Aneinanderreihens, der Nähe und Ferne gleichermaßen, des Nebeneinanders als auch des Zerstreuten. „Der Strukturalismus oder zumindest das, was man unter dieser recht allgemeinen Bezeichnung zusammenfasst, ist der Versuch, zwischen Elementen, die über die Zeit verteilt sein mögen, eine Reihe von Beziehungen herzustellen, die sie als ein Nebeneinander, als ein Gegenüber, als etwas ineinander Verschachteltes, kurz als Konfiguration erscheinen lassen.“[1]

Insofern ist Raum – für Foucault – das Grundaxiom der heutzutage stattfindenden Bemühungen Theorien und Systeme zum Verständnis der Einbettung gesellschaftlicher Fragen am Schnittpunkt der Raum-Zeit Knotenpunkte zu finden.

Jedoch – und das ist zentral zu beachten – stellt diese Axiomatik keine nennenswerte Neuerung dar, sondern ist durch die Zeit (der gesellschaftlichen Geschichtsentwicklung) zu beobachten. In diesem Sinne hat Raum selbst eine Geschichte, die sich nur in ihren spezifischen Ausformungen unterscheidet. Foucault unternimmt im vorliegenden Text ein grobe Skizzierung dieser „Geschichte des Raumes“.


[1] Foucault, Michel (1967): Von anderen Räumen. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 317

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Samstag, 2. Juni 2007

Dünne, Jörg (2006); "Soziale Räume"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Im ausgehenden 19. Jahrhundert wird die Raumbetrachtung zunehmend zu einer Frage der Ausdifferenzierung des Zusammenhangs von sozialer Ordnung und Raum. Der Geograph Friedrich Ratzel sucht nach kausalen Verbindungen zwischen Staatsentwicklungen und physikalischen Territorien. Emil Durkheim geht 1897 noch einen Schritt weiter. Sozial Räume sind „soziale Morphologien“, die sich in ihrem räumlichen Substrat von sozialer Organisation nicht so einfach als unveränderliche physische Räume definieren lassen. Stattdessen ist die Räumlichkeit des Sozialen, so Durkheim, dasjenige, was die Struktur sozialer Formen zur Sichtbarkeit (her)vorbringt und daher eine soziale Raumbeschreibungsperspektive eröffnet, die sich progressive vom geographisch determinierten Substrat der territorialen Betrachtung abzulösen beginnt.

Im 20. Jahrhundert tritt diese Veränderung der Raumbetrachtung immer stärker in den Vordergrund. Die perzeptive Trennung zwischen sozialen und geographischen Raum wird noch dadurch erweitert, dass die Konstruktion von Räumen individualisiert wurde. Somit werden individuelle und soziale Handlungen bzw. in weiterer Folge gesellschaftliche Prozesse zu den zentralen Postulaten, wenn es um die Konstruktion und Ausdifferenzierung von Raum geht. Das führte auch dazu, dass sich die vormals reine physische Geographie in viele Teilaspekte aufspaltete, wobei die Sozial- bzw. Humangeographie per se den Sozialwissenschaften fortan näher steht als der rein territorial durchdrungenen Geographie. Insofern gilt Raum ab diesem historischen Schnittpunkt nicht länger als etwas naturräumlich Gegebenes, sondern wird „gemacht“.
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Samstag, 2. Juni 2007

Flusser, Vilém (1991); "Räume"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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In der vorliegenden kurzen Abhandlung beginnt Flusser seine Ausführungen mit einer Beschreibung der Perzeptionsmöglichkeiten der räumlichen Erfahrungen bei Lebewesen, also bei „Organismen“. Er reduziert die schon aus anderen Epochen bekannten räumlichen Begrenzungen „oben“, „unten“, „vorne“ und „hinten“ auf vektorialer Achsenmöglichkeiten. Alle darüber hinausgehenden Raumerfahrungen sind Abstraktionen derselben.

Hierbei streicht Flusser die eigentümliche menschliche Fähigkeit der Abstraktion besonders hervor, wobei für Flusser Zahlen in der Beschreibung von räumlichen Abstraktionen eine ungleich größere Rolle spielen als Worte. Nicht zuletzt weil Raum in Zahlen besser ausgedrückt werden kann, vor allem „weil Worte zu sehr am Lebensraum kleben, während Zahlen abstrakter zu sein scheinen“[1]. Durch diese Perzeptionsherangehensweise wird es, so Flusser, immer deutlicher, „dass Raum mit Zeit unentwirrbar vorgestellt und begriffen zu sein hat“[2].


[1] Flusser, Vilém (1991): Räume. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 274

[2] a.a.O. S. 275

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Sonntag, 6. Mai 2007

Lacan, Jaques (1954); "Die Topik des Imaginären"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Jaques Lacan konzentriert sich in seinen Schriften auf die Entwicklung des einzelnen Subjekts, das mikrostrukturell ähnlichen Prozessen ausgesetzt ist wie die Menschheit als Ganzes. Lacan bezieht sich in seinen Darstellungen – gerade auch in dem Text „Die Topik des Imaginären“ – auf Freuds Konzept der „Psychischen Topik“.[1]

Im vorliegenden Textauszug selbst beschäftigt sich Lacan mit einem Beispiel anhand dessen er sein Experiment des Spiegelstadiums zu verdeutlichen versucht. Prinzipiell dient das Spiegelstadium als Darstellungsmöglichkeit von nicht sichtbaren psychischen Prozessen, um die Idee – wie schon erwähnt in enger Anlehnung an die freud´schen Theorien – einer „psychischen Lokalität“ zu veranschaulichen. Um seine Herangehensweise zu verdeutlichen bediente sich Lacan der grundlegenden Hypothesen der Optik. Für Lacan ist die Optik neben der Mechanik und der Geometrie eine, innerhalb einer Fülle an entlehnten Veranschauungsmodellen, denen sich die Wissenschaft der Psychologie bedient, um im Bereich Lokalisierungsforschung adäquate Ansätze der Veranschaulichung zu entwickeln, anhand dessen „psychische Lokalisierung“ des Ichs, Ego und Es in partikulären Bereichen des Gehirns verortet werden können.

Nebst seinem prinzipiellen Rückgriff auf die Optik als Veranschauungsmodell führt Lacan entlang der grundsätzlichen Hypothesen der Optik in die immanente Wichtigkeit der Trennung zwischen realem und virtuellem Raum ein. Auf der Trennung bzw. Unterscheidung dieser beiden miteinander in enger Relation stehender Begriffe fußt nachfolgendes Experiment. Ohne eine perzeptionelle Trennung dieser beiden Sphären wäre ein Verständnis des Spiegelstadiums und dessen Bedeutung für den Raumdiskurs völlig unmöglich. „Die optischen Bilder weisen eigenartige Verschiedenheiten auf – einige sind rein subjektiv, das sind die, die man virtuell nennt, während andere real sind, das heißt, sich, von bestimmten Seiten, wie Objekte verhalten und als solche behandelt werden können. […] Eine Sache ist doch noch überraschender, nämlich die, dass die Optik vollständig auf einer mathematischen Theorie beruht, ohne die es absolut unmöglich ist, sie zu strukturieren. Damit es eine Optik gebe, muss jedem gegebenen Punkt eines realen Raumes ein und nur ein Punkt in einem anderen Raum korrespondieren, der der imaginäre Raum ist. Das ist die grundlegende strukturelle Hypothese.“[2]



[1] Vgl. Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 198 f.

[2] Lacan, Jaques (1954): Die Topik des Imaginären. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 213

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Mittwoch, 25. April 2007

Keller, Reiner (2004); "Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Diskurstheorie
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Der Diskurs-Begriff droht vor allem in den Sozialwissenschaften insofern einer inflationären Verwendung zu unterliegen, als dass er in verschiedensten Bedeutungszusammenhängen und theoretischen Auffassungen – oft unkommentiert – verwendet wird. Glauben – wie in unserem Fall – Wissenschaftler, den Diskurs rund um einen Begriff, rund um einen Wissensbestand als zentral oder zumindest relevant für ihr Forschungsvorhaben ausgemacht zu haben, gilt es in erster Linie, sich darüber klar zu werden, was Diskurs ist, was Diskurs bewirkt, was wie auf Diskurs einwirkt, und wie dieser (wenn überhaupt) zurückwirkt. Hinzu kommt die Frage nach der Herangehensweise an den Forschungsgegenstand, nach der Perspektive, aus der der Forscher ihn betrachtet. Es scheint vor allem jene, die sich noch nicht eingehender mit dem Diskurs als solches auseinandergesetzt haben, eine unübersichtliche Fülle an Diskurstheorien, Möglichkeiten der Diskursanalyse und Begriffsvariationen von Diskurs vor ein nicht zu unterschätzendes Problem zu stellen. Es bietet sich zwar scheinbar ein breites Spektrum an Instrumentarien an, die Selektion dieser, die zur Erreichung des angepeilten Forschungsziels verhelfen sollen, gestaltet sich aber insofern als schwierig, als 1. der Anschluss an die empirische Anwendung ein Stiefkind der theoretischen Beschäftigung mit Diskurs zu sein scheint, und 2. die unglaublich verzweigten und ineinander verwobenen Ansätze ein schwer aus zu differenzierendes Spektrum an wissenschaftlichem Handwerkszeug darstellt.

Reiner Keller bietet – in einer sehr kompakten und hervorragend übersichtlichen Form – einen Leitfaden an, versucht dem Sozialwissenschaftler/der Sozialwissenschaftlerin einen „Ausweg“ zu zeigen aus dem Diskurslabyrinth. Seine gut strukturierte Herangehensweise beginnt bei einer kurzen Einführung zu Relevanz und Aktualität des Themas, geht nahtlos in eine (historische) Erläuterung der zentralsten Überlegungen zu Diskurs über, und bereitet anschließend verschiedene Perspektiven ein wenig ausführlicher auf. Die Vorstellung der empirischen Instrumentarien, des Forschungsprozesses ist insofern erwähnenswert, als dass Keller seinen Lesern eine Brücke zwischen diesen/m und den zuvor erläuterten theoretischen Ansätzen baut.[1]


[1] Keller, Reiner (2004): „Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen“, 2. Auflage, Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden.

"Keller, Reiner (2004); "Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen"" vollständig lesen
 

Montag, 19. März 2007

Weichhart, Peter (1996); "Die Region - Chimäre, Artefakt oder Strukturprinzip sozialer Systeme?"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Zuerst ein Satz in eigener Sache: Unser Dank gilt Prof. Peter Weichhart vom Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien, der uns - neben anderen Literaturvorschlägen - den vorliegenden Text nicht nur empfohlen und zur Verfügung gestellt hat, sondern darüber hinaus auch so freundlich war, den Text zu kopieren und an meine Privatadresse zu schicken. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Nun zum Text: Neben unserer Auseinandersetzung mit vorrangig philosophischen und naturwissenschaftlichen Raumzugängen haben wir uns in den vergangenen Tagen darauf verständigt auch einen Einblick in die Raumzugänge geographiewissenschaftlicher Ansätze vorzunehmen. Mit dem Text von David Harvey machte ich diesbezüglich den Anfang und der vorliegende Text ist als nächster Schritt in diese Richtung zu sehen. Im vorliegenden Text geht es grob gesagt um die Begrifflichkeit „Region“ und dessen Implikationen zur geographischen Raumtheorie.

"Weichhart, Peter (1996); "Die Region - Chimäre, Artefakt oder Strukturprinzip sozialer Systeme?"" vollständig lesen
 
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