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Samstag, 2. Juni 2007

Dünne, Jörg (2006); "Soziale Räume"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Im ausgehenden 19. Jahrhundert wird die Raumbetrachtung zunehmend zu einer Frage der Ausdifferenzierung des Zusammenhangs von sozialer Ordnung und Raum. Der Geograph Friedrich Ratzel sucht nach kausalen Verbindungen zwischen Staatsentwicklungen und physikalischen Territorien. Emil Durkheim geht 1897 noch einen Schritt weiter. Sozial Räume sind „soziale Morphologien“, die sich in ihrem räumlichen Substrat von sozialer Organisation nicht so einfach als unveränderliche physische Räume definieren lassen. Stattdessen ist die Räumlichkeit des Sozialen, so Durkheim, dasjenige, was die Struktur sozialer Formen zur Sichtbarkeit (her)vorbringt und daher eine soziale Raumbeschreibungsperspektive eröffnet, die sich progressive vom geographisch determinierten Substrat der territorialen Betrachtung abzulösen beginnt.

Im 20. Jahrhundert tritt diese Veränderung der Raumbetrachtung immer stärker in den Vordergrund. Die perzeptive Trennung zwischen sozialen und geographischen Raum wird noch dadurch erweitert, dass die Konstruktion von Räumen individualisiert wurde. Somit werden individuelle und soziale Handlungen bzw. in weiterer Folge gesellschaftliche Prozesse zu den zentralen Postulaten, wenn es um die Konstruktion und Ausdifferenzierung von Raum geht. Das führte auch dazu, dass sich die vormals reine physische Geographie in viele Teilaspekte aufspaltete, wobei die Sozial- bzw. Humangeographie per se den Sozialwissenschaften fortan näher steht als der rein territorial durchdrungenen Geographie. Insofern gilt Raum ab diesem historischen Schnittpunkt nicht länger als etwas naturräumlich Gegebenes, sondern wird „gemacht“.
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Samstag, 2. Juni 2007

Flusser, Vilém (1991); "Räume"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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In der vorliegenden kurzen Abhandlung beginnt Flusser seine Ausführungen mit einer Beschreibung der Perzeptionsmöglichkeiten der räumlichen Erfahrungen bei Lebewesen, also bei „Organismen“. Er reduziert die schon aus anderen Epochen bekannten räumlichen Begrenzungen „oben“, „unten“, „vorne“ und „hinten“ auf vektorialer Achsenmöglichkeiten. Alle darüber hinausgehenden Raumerfahrungen sind Abstraktionen derselben.

Hierbei streicht Flusser die eigentümliche menschliche Fähigkeit der Abstraktion besonders hervor, wobei für Flusser Zahlen in der Beschreibung von räumlichen Abstraktionen eine ungleich größere Rolle spielen als Worte. Nicht zuletzt weil Raum in Zahlen besser ausgedrückt werden kann, vor allem „weil Worte zu sehr am Lebensraum kleben, während Zahlen abstrakter zu sein scheinen“[1]. Durch diese Perzeptionsherangehensweise wird es, so Flusser, immer deutlicher, „dass Raum mit Zeit unentwirrbar vorgestellt und begriffen zu sein hat“[2].


[1] Flusser, Vilém (1991): Räume. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 274

[2] a.a.O. S. 275

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