Europa entgrenzt.

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Mittwoch, 13. Juni 2007

Deleuze, Gilles/ Guattari, Félix (1980); "1440 – Das Glatte und das Gekerbte"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Schon in die Überschrift integrieren die zwei Autoren zwei zentrale Metaphern, auf deren (nicht nur) bildhafte Aussagekraft sie ihre im Folgenden dargelegten Überlegungen basieren; der glatte Raum ist jener der Nomaden, während der sesshafte Mensch durch seine Praktiken einen gekerbten Raum zur Betrachtung hinterlässt. Der glatte Raum ist Grundlage für die Entwicklung der Kriegsmaschinerie, während der Staatsapparat den gekerbten Raum schafft. Sie existieren allerdings beide nur aufgrund ständiger Vermischung; „der glatte Raum wird unaufhörlich in einen gekerbten Raum übertragen und überführt; der gekerbte Raum wird ständig umgekrempelt, in einen glatten Raum zurückverwandelt“[1]. Nichts desto trotz sind sie ganz klar theoretisch voneinander unterscheidbar.

Deleuze und Guattari gehen also diesen Differenzen, den Verwischungen, den Übergängen und Bewegungen dieser beiden Räume auf den Grund; zu diesem Zwecke betrachten sie verschiedene Modelle.



[1] Deleuze, Gilles/ Guattari, Félix; S. 434

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Mittwoch, 13. Juni 2007

Arendt, Hannah (1960); "Der Raum des Öffentlichen und der Bereich des Privaten"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Die Schwierigkeit des Erfassens der Unterscheidung zwischen dem Politischen und dem Sozialen fällt – so argumentiert Arendt zu Beginn des vorliegenden Textes – mit dem Beginn der Neuzeit zusammen. Wurde ursprünglich relativ einfach der Bereich des Haushalts dem Privaten, und demgegenüber der Raum des Politischen dem Öffentlichen zugeordnet, so kam „das Aufkommen eines im eigentlichen Sinne gesellschaftlichen Raumes, [...] der seine politische Form im Nationalstaat gefunden hat“[1] neu hinzu.

Bei Arendt ist Gesellschaft ein Familienkollektiv, in seiner ökonomischen Form eine Art Über-Familie, politische organisiert in Form der Nation.



[1] Arendt, Hannah; S. 420

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Mittwoch, 13. Juni 2007

Schmitt, Carl (1950); "Das Recht als Einheit von Ordnung und Ortung"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Auf die problematische Distinguiertheit Schmitts in Bezug auf seine enge Affinität zum Nationalsozialismus sowie seiner fatalistischen Nähe zum negativ konnotierten Begriff „Geopolitik“ wurde in einem anderen Artikel schon hingewiesen. Es wird nun versucht den vorliegenden Artikel soweit als möglich sachlich zu exzerpieren und wieder zu geben. Auch wenn es sich nicht vermeiden ließ (ganz bewusst nicht) die persönliche – diametral zum schmitt´schen Ansatz stehende – Einstellung des Verfassers der vorliegenden Zusammenfassung zu verbergen.

Schmitt beginnt seinen Text zur Raumbetrachtung mit einer Darstellung seiner Ausgangslage, auf der seine Überlegungen aufbauen. Für ihn ist die Erde – typisches rechtsgerichtetes Denken: mythisch als Mutter alles Seienden gedacht – in dreifacher Weise die Wurzel von Recht und Gerechtigkeit. Erstens birgt die Erde in ihrer Fruchtbarkeit ein inneres Maß, das über Wachstum und Ernte die Mühen seiner Besteller gerecht belohnt. Zweitens weist die Erde feste Linien auf, die Ausdruck der Bearbeitung des Bodens durch den Mensch darstellen. Drittens trägt die Erde menschliche Räumlichkeiten (Häuser, Grenzsteine, Bauwerke, usw.), die Ausdruck von Ordnung und Ortungen menschlichen Zusammenlebens offenbaren. Dadurch werden Strukturen der Gesellschaft öffentlich sichtbar gemacht.
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Mittwoch, 13. Juni 2007

Braudel, Fernand (1949); "Géohistoire und geographischer Determinismus"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Braudel beginnt seinen Text mit einer Skizzierung dessen, was Geohistoire bedeutet und in weiterer Folge welchem Anspruch seine Arbeit geschuldet ist. Braudel hat ein zweifaches Anliegen: Erstens geht es darum Geographie nicht nur als Humangeographie der gegenwärtigen Probleme zu begreifen, sondern auch gegenüber den historischen Entwicklungen und Erkenntnissen – gemeinhin der Zeit an sich – entsprechend Rechnung zu tragen. Zweitens geht es darum aus einer historischen Geographie die sich ausschließlich der Untersuchung von Staatsgrenzen und dessen administrativen Einheiten verschrieben hat, eine wirkliche retrospektive Humangeographie zu entwickeln, die auch die Erde und deren topologischen Eigenheiten (Klima, Boden, Lebewesen, gewerbliche Aktivitäten) nicht nur berücksichtigt, sondern auch in einen kausalen Zusammenhang bringen kann.

Für Braudel ist gerade das Mittelmeer ein sowohl zeitlich als auch materiell akkurates Forschungsbiotop, an dem solch ein zweifacher Anspruch verwirklicht werden kann.[1] „Ist es nicht ein Verbund halbautonomer Welten, eine Föderation lebenskräftiger, unverwechselbarer und doch stets miteinander vergleichbarer Mittelmeerräume? Die Erfahrungen folgen hier in geschwisterlich erlebter Eintracht miteinander.“[2]


[1] Für eine umfassende und doch kompakte Einführung in Braudel´s Arbeiten zum Mittelmeer vgl. Braudel, Fernand / Duby, Georges / Aymard, Maurice (2006): Die Welt des Mittelmeeres. Zur Geschichte und Geographie kultureller Lebensformen. Fischer Verlag: Frankfurt.

[2] Braudel, Fernand (1949): Géohistoire und geographischer Determinismus. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 397

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Montag, 11. Juni 2007

Ratzel, Friedrich (1894); "Über die geographische Lage"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Vorliegender Text bildete Ende des 19. Jahrhunderts die Grund- und Vorlage für Ratzel’s Politische Geographie[1]. Zu Beginn beschreibt er das Dasein von Generationen eines Volkes als Berg- und Talfahrt, als sich unaufhörlich wiederholendes Absteigen in ein und Aufsteigen aus einem Wellental, als stetig fließender Strom, dessen Kontinuität nur durch Klippen im Strombett gestört werden kann; so entstehen Veränderungen und Neuerungen für den Strom, aber nicht für das Strombett. An ein und derselben Stelle wird also immer derselbe Einfluss auf verschiedene Bewegungen ausgeübt.

Die geographische Lage ist also etwas Beständiges in der und für die Bewegung; sie gehört der Erdoberfläche an und entscheidet über Boden, Klima, Grenzen, Ausdehnung und Zahl des darauf stattfindenden Lebens.

 

Ratzel empfindet es als unausweichlich, jedem wichtigen Gegenstand seiner geographischen Lage zu zuweisen; sie ist das einzig Beständige im Verlauf der Geschichte. Dementsprechend „überlegen“ sind Völker in ihrem je angestammten Gebiet; „Der Anschluß an das von der Natur Gegebene hat sich [...] jeweils als das Beste gezeigt“[2], proklamiert Ratzel eine Beibehaltung territorialer Kontinuität. Allerdings denkt er diese Stabilität in einem wechselseitigen Austausch- und Inspirationsverhältnis mit benachbarten Gebieten; das „Wie?“ bestimmt auch hier die Lage.

Nichts desto trotz bedeutet die Lage nicht ein totes, starres Nebeneinander von Gebieten, sondern ein aneinander gegliedertes Verhältnis; es gibt keine absolute Isolation.



[1] Ratzel, Friedrich; Politische Geographie oder die Geographie der Staaten, des Verkehrs und des Krieges; München/Berlin: Oldenbourg ³1923

[2] Ratzel, Friedich; S. 387

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Sonntag, 10. Juni 2007

Dünne, Jörg (2006); "Politisch-geographische Räume"

Geschrieben von Christian Neugebauer in
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In den folgenden sechs Texten die auf dieser Homepage zusammengefasst veröffentlicht (Ratzel, Braudel, Schnmitt, Arendt sowie Deleuze/Guattari) werden, wird das schon einmal behandelte Thema der Verhältnisse zwischen sozialen und physischen Räumen noch einmal aufgegriffen und um die spezielle Perspektive politischer Relationen erweitert. Wobei die Bezugsgröße „politische Relation“ nicht allein auf die Kategorie Staat zu reduzieren ist.

Im Spannungsfeld zwischen Politik und Geographie geht es zum einen um die Frage wie politische Institutionen in geographischen Räumen verortet werden und zum anderen durch welche räumliche Rahmenbedingungen sie sich überhaupt erst konstituierbar machen.[1]

Besonders zentral – und das betrifft vor allem auch spezielle Erkenntnisinteressen unseres Forschungsprojektes – ist die Frage „inwiefern der Ursprung politischen Handelns seit der Antike mit der Einnahme eines Territoriums verknüpft ist […].“[2]



[1] Vgl. Dünne, Jörg (2006): Politisch-geographische Räume. Einleitung. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 371

[2] Dünne a.a.O. S. 371

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Sonntag, 10. Juni 2007

Bourdieu, Pierre (1989); "Sozialer Raum, symbolischer Raum"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Bourdieus Ansatz – und darauf baut seine wissenschaftliche Arbeit auf – ist zwar hinlänglich bekannt, aber trotzdem wird in einigen wenigen Sätzen darauf eingegangen. Die innerste Logik der sozialen Welt lässt sich nur fassen, wenn man in die „Besonderheit einer empirischen, in der Geschichte räumlich und zeitlich bestimmbaren Realität eindringt, aber nur um sie als ´besonderen Fall des Möglichen´ zu konstruieren, [...] also als Einzelfall in einem endlichen Universum von möglichen Konfigurationen.“[1]

In dieser Aussage lässt sich zum einen Bourdieus grundsätzliches Paradigma erkennen und zum anderen schwingen hier auch schon die Grundzüge seines Raumverständnisses mit. Für Bourdieu dient die Analyse des sozialen Raumes immer dem Zweck das Invariante, somit die Struktur der beobachteten Variante zu erfassen.

Die Struktur oder Prinzipien der Konstruktion des sozialen Raumes oder die Mechanismen der Reproduktion dieses Raumes lassen sich nur hervorbringen, wenn es gelingt räumliche Möglichkeiten (Varianten) als Modell mit dem Anspruch auf universelle Gültigkeit unterschiedlicher Kollektivgeschichten zu vergleichen. Wobei hiermit nicht nur unterschiedliche geschichtswissenschaftliche Zeitabschnitte gemeint sind, sondern vor allem auch kulturell unterschiedliche Räume.


[1] Bourdieu, Pierre (1989): Sozialer Raum, symbolischer Raum. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 354

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Sonntag, 10. Juni 2007

Certeau, Michel de (1980); "Praktiken im Raum"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Gleich zu Beginn des vorliegenden Textextrakts aus Michel de Certeau’s Kunst des Handelns[1] stellt er die Frage, ob das Ende der durchkonzipierten Stadt ein Abbild der verfallenden Ratio nicht nur der Städteplaner, sondern der gesamten städtischen Bevölkerung ist!? Das impliziert natürlich die Annahme des gleichzeitigen (oder vorangehenden) Verfalls der diese Städte organisierenden Prozeduren.

Um diesen Überlegungen auf den Grund zu gehen, plädiert Certeau für eine genaue Untersuchung dieser Praktiken, die sich immer mehr miteinander verbunden haben, in den Alltag der Menschen eingesickert sind, und so zunehmend von „den heute kopflosen Dispositiven und Diskursen der überwachenden Organisationen verborgen werden“[2].

Diese Herangehensweise wäre einerseits eine Möglichkeit, Foucault’s Analyse der Machtstrukturen fortzusetzen, oder aber ihr ein Gegenstück gegenüber zu stellen. Im Mittelpunkt stand bei ihm das Verhältnis zwischen den Prozeduren und dem Raum, je nach analysierter „Disziplin“ (Lehre, Gesundheitswesen, Justiz, Armee, etc.). „Aber welche Umgangsweise mit dem Raum (practiques de l’espace) entsprechen diesen einen disziplinären Raum erzeugenden Apparaten [...]?“[3] Erhöhte Relevanz erhält diese Frage bei Certeau aufgrund der Annahme, dass diese Raumpraktiken gesellschaftliches Leben, oder zumindest dessen Bedingungen, determinieren.

Certeau erhofft sich aus der Betrachtung dieser Praktiken „zu einer Theorie der Alltagspraktiken, des Erfahrungsraumes und der unheimlichen Vertrautheit mit der Stadt“[4] zu kommen.



[1] Certeau, Michel de; Kunst des Handelns; aus dem Französischen von Ronald Voullié, Berlin: Merve 1988

[2] Certeau, Michel de; S. 344

[3] Certeau, Michel de; S. 344

[4] Certeau, Michel de; S. 344

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Sonntag, 10. Juni 2007

Lefebvre, Henri (1974); "Die Produktion des Raums"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Lefebvre geht in seinem – hier vorliegenden – Text von der These aus, dass (sozialer) Raum ein (soziales) Produkt ist. Dieser entsprechend, beginnt er mit der Erläuterung einiger daraus folgender Implikationen

1. (Physischer) Naturraum ist und bleibt zwar das Ursprüngliche des sozialen Prozesses, Quelle und Rohstoff; er bleibt als Bildhintergrund bestehen, aber eben nur mehr als Bildhintergrund, der sich dem bewussten Denken entzieht. Er rückt auf Distanz, „verwandelt sich in eine Fiktion, in eine negative Utopie“[1]. Er stellt sich nur mehr als Rohstoff dar, auf den die Produktivkräfte verschiedener Gesellschaften eingewirkt haben. Ziel dieses Einwirkens war/ist die Produktion eines ihnen eigenen Raums. Somit ist der Naturraum entleert, geschwächt, besiegt.

2. Jede Gesellschaft produziert einen ihr eigenen Raum (mit ihrer eigenen Raumpraxis). Raum besteht in seiner jeweils eigenen Genese, seiner Form, mit seinen spezifischen Zeiten und seiner spezifischen Zeit; für jede Gesellschaft, genauer gesagt „jede Produktionsweise (mode de production), die bestimmte Produktionsverhältnisse (rapports de production) beinhaltet“[2].



[1] Lefebvre, Henri; S. 330

[2] Lefebvre, Henri; S. 331

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Samstag, 9. Juni 2007

Foucault, Michel (1967); "Von anderen Räumen"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Foucault beginnt seinen fundamentalen Text zum Raum mit einer prinzipiellen Überlegung: War das 19. Jahrhundert noch eine Epoche der Geschichte – geprägt von Themen wie Entwicklung, Stillstand, Krise, Zyklus oder auch Akkumulation des Vergangenen – so befindet sich die Gegenwart in einem Zeitalter des Raumes. Für Foucault leben wir in einer Epoche der Gleichzeitigkeit, des Aneinanderreihens, der Nähe und Ferne gleichermaßen, des Nebeneinanders als auch des Zerstreuten. „Der Strukturalismus oder zumindest das, was man unter dieser recht allgemeinen Bezeichnung zusammenfasst, ist der Versuch, zwischen Elementen, die über die Zeit verteilt sein mögen, eine Reihe von Beziehungen herzustellen, die sie als ein Nebeneinander, als ein Gegenüber, als etwas ineinander Verschachteltes, kurz als Konfiguration erscheinen lassen.“[1]

Insofern ist Raum – für Foucault – das Grundaxiom der heutzutage stattfindenden Bemühungen Theorien und Systeme zum Verständnis der Einbettung gesellschaftlicher Fragen am Schnittpunkt der Raum-Zeit Knotenpunkte zu finden.

Jedoch – und das ist zentral zu beachten – stellt diese Axiomatik keine nennenswerte Neuerung dar, sondern ist durch die Zeit (der gesellschaftlichen Geschichtsentwicklung) zu beobachten. In diesem Sinne hat Raum selbst eine Geschichte, die sich nur in ihren spezifischen Ausformungen unterscheidet. Foucault unternimmt im vorliegenden Text ein grobe Skizzierung dieser „Geschichte des Raumes“.


[1] Foucault, Michel (1967): Von anderen Räumen. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 317

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Sonntag, 3. Juni 2007

Simmel, Georg (1903); "Über räumliche Projektionen sozialer Formen"

Geschrieben von Christoph Clar in Raum
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Georg Simmel sieht in vorliegendem Text den Untersuchungsgegenstand Raum und die diesen anvisierende Herangehensweise im Gegensatz zum damaligen (Anfang des 20. Jahrhunderts) Mainstream, oder zumindest zur alltäglichen Anschauung. Er wendet die Kausalkette gewissermaßen um, hinterfragt die Wirkung sozialer Vorgänge auf Raumgestaltung (und war damit einer der Ersten!).

 

Gebietshoheit, die Herrschaft über räumliche Gebiete ist für Simmel der(!) Ausdruck menschlicher Herrschaftsübung (über Menschen). Simmel begreift also nicht die Beherrschung von Gebiet als Beherrschung der darauf lebenden Menschen, sondern umgekehrt; sie ist bloße Abstraktion, Formulierung der Herrschaft über Personen. An welchen Orten sich die Beherrschten befinden, ist letztendlich nicht ausschlaggebend; daraus ergibt sich eine Unendlichkeit punktueller Möglichkeiten.

Personenbeherrschung ist also nie direkte Folge von Bodenbeherrschung (entgegen mancher historischer Beispiele, die Simmel selbst anführt). Ganz im Gegenteil, muss Ersteres immer ein besonderer Zweck sein, eine ausdrückliche Absicht – und somit „durch besondere Normen oder Machtübungen hergestellt“[1]. Folgerichtig ist Zweiteres etwas Sekundäres, die Folge.



[1] Simmel, Georg; S. 305

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Samstag, 2. Juni 2007

Dünne, Jörg (2006); "Soziale Räume"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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Im ausgehenden 19. Jahrhundert wird die Raumbetrachtung zunehmend zu einer Frage der Ausdifferenzierung des Zusammenhangs von sozialer Ordnung und Raum. Der Geograph Friedrich Ratzel sucht nach kausalen Verbindungen zwischen Staatsentwicklungen und physikalischen Territorien. Emil Durkheim geht 1897 noch einen Schritt weiter. Sozial Räume sind „soziale Morphologien“, die sich in ihrem räumlichen Substrat von sozialer Organisation nicht so einfach als unveränderliche physische Räume definieren lassen. Stattdessen ist die Räumlichkeit des Sozialen, so Durkheim, dasjenige, was die Struktur sozialer Formen zur Sichtbarkeit (her)vorbringt und daher eine soziale Raumbeschreibungsperspektive eröffnet, die sich progressive vom geographisch determinierten Substrat der territorialen Betrachtung abzulösen beginnt.

Im 20. Jahrhundert tritt diese Veränderung der Raumbetrachtung immer stärker in den Vordergrund. Die perzeptive Trennung zwischen sozialen und geographischen Raum wird noch dadurch erweitert, dass die Konstruktion von Räumen individualisiert wurde. Somit werden individuelle und soziale Handlungen bzw. in weiterer Folge gesellschaftliche Prozesse zu den zentralen Postulaten, wenn es um die Konstruktion und Ausdifferenzierung von Raum geht. Das führte auch dazu, dass sich die vormals reine physische Geographie in viele Teilaspekte aufspaltete, wobei die Sozial- bzw. Humangeographie per se den Sozialwissenschaften fortan näher steht als der rein territorial durchdrungenen Geographie. Insofern gilt Raum ab diesem historischen Schnittpunkt nicht länger als etwas naturräumlich Gegebenes, sondern wird „gemacht“.
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Samstag, 2. Juni 2007

Flusser, Vilém (1991); "Räume"

Geschrieben von Christian Neugebauer in Raum
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In der vorliegenden kurzen Abhandlung beginnt Flusser seine Ausführungen mit einer Beschreibung der Perzeptionsmöglichkeiten der räumlichen Erfahrungen bei Lebewesen, also bei „Organismen“. Er reduziert die schon aus anderen Epochen bekannten räumlichen Begrenzungen „oben“, „unten“, „vorne“ und „hinten“ auf vektorialer Achsenmöglichkeiten. Alle darüber hinausgehenden Raumerfahrungen sind Abstraktionen derselben.

Hierbei streicht Flusser die eigentümliche menschliche Fähigkeit der Abstraktion besonders hervor, wobei für Flusser Zahlen in der Beschreibung von räumlichen Abstraktionen eine ungleich größere Rolle spielen als Worte. Nicht zuletzt weil Raum in Zahlen besser ausgedrückt werden kann, vor allem „weil Worte zu sehr am Lebensraum kleben, während Zahlen abstrakter zu sein scheinen“[1]. Durch diese Perzeptionsherangehensweise wird es, so Flusser, immer deutlicher, „dass Raum mit Zeit unentwirrbar vorgestellt und begriffen zu sein hat“[2].


[1] Flusser, Vilém (1991): Räume. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 274

[2] a.a.O. S. 275

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