Badiou über die Frage: Wie erneuert sich eine Gesellschaft?

Die jüngste Wirtschafts- und vor allem Finanzkrise hat den westlichen Demokratien ihre Grenzen und wunden Punkte vor Augen geführt. Für viele hat sich gezeigt, dass das gegenwärtige System verändert, umgestaltet oder zumindest angepasst und adaptiert werden muss.

Offen blieb und bleibt jedoch die spannende Frage wie und was sollte verändert werden? Wo soll man ansetzten oder wie kann man aus der Ohnmacht entrinnen, die man als Teil einer beteiligten und interessierten Zivilgesellschaft empfindet, ohne sich vollends von politischen und gesellschaftlichen Fragen abzuwenden.

Alain Badiou, französischer Philosoph und Professor an der European Graduate School EGS, beschäftigt sich mit unter mit diesen Fragen und hat seinen alternativen Denkansatz in dem Artikel

„Affirmative Dialectics: from Logic to Anthropology“

(The International Journal of Badiou Studies, Vol. 2, Nr. 1, 2013) zusammengefasst.

Für Badiou geht es um die Wahrnehmung von Möglichkeitsereignissen die er „events“ nennt. Die Schwierigkeit besteht darin, solche zu erkennen und mit der Zeit auch deren Wirksamkeit wahrzunehmen.

Er wendet sich in seinem Denken gegen ein klassisches Verständnis von Revolution und propagiert die Erneuerung aus dem Bestehenden ohne in ein orthodoxes Schema der Ablehnung/Beführwortung des herrschenden Systems zu verfallen.

Nach der Lektüre des Textes bleiben aus meiner Sicht viele Fragen offen, jedoch bietet Badiou einen interessanten Zugang, um sich den oben aufgeworfenen Fragen anzunähern.


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  • Josef

    Die Denklinie ist: Es muß eine engagierte (Treue) Entscheidung getroffen werden, die nicht im Meinungsraum des Staates existiert. Diese kann nur dann geschehen, wenn man den Menschen nicht als endlich auffasst, sondern als unendliches Wesen. Dies ist nicht religiös zu lesen, vielmehr als Prozess von Möglichkeiten, die affirmativ zur Verfügung stehen. Das „nackte“ Individuum wird durch die Prozesse der unendlichen Ereignisse, z.b. eben der angesprochenen Gleichheit, zum prozessualen Subjekt, darin er erst entscheidungsfähig ist. Ich finde Badiou´s Dialektik zwischen bestehenden Fakten – Staat, Wirtschaft, Recht etc. – und subjektiven Entscheidungen zu …Gleichheit, Gerechtigkeit… sehr spannend. Werfen diese doch auch jede Menge neuer Fragen auf: Zu neuen Organisationsstrukturen, was ist nun ein Subjekt, welche Logik, Formen, Rechte …. müssen etabliert werden usw. Dieser Text ist eine Zusammenfassung seines Denkens, ich empfehle seine Bücher zu lesen, die detaillierter seine Philosophie ausbreiten. Erwähnt sei auch noch der im Text erwähnte G. Agamben der ebenso wie auch S. Zizek in diese neue Denkrichtung gehören