Harvey, David (1984); „On the History and Present Condition of Geography: An Historical Materialist Manifesto“

Es liegt hier also ein Text vor uns, dessen Veröffentlichung schon mehr als 20 Jahre in der Vergangenheit liegt. Als Solche in einer realpolitisch und sogar ideengeschichtlich schon relativ weit zurückliegenden Phase der Feder des bekannten Sozial-Geographen David Harvey entsprungen, sind diese Gedanken vor allem aber im Kontext von dessen persönlicher wissenschaftlicher Entwicklung heute mit Vorsicht und einigem Abstand zu genießen.

Im Prinzip geht es ihm um – wie die Überschrift unschwer vermuten lässt – den gegenwärtigen Stand „seiner“ Disziplin, der Geographie. Es lässt sich von Anfang an eine Art Plädoyer für eine Einbeziehung der historischen sozio-ökonomischen Bedingungen von gesellschaftlicher Entwicklung in die geographische Herangehensweise erahnen. Dieser Annahme wiederum würde der Anspruch eines materialistischen Manifests im Titel entsprechen.

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Lotman, Jurij (1970); „Künstlerischer Raum, Sujet und Figur“

Lotman versucht in seinem Text dem Raum der Literatur und Kunst nachzugehen. Lotmans Abhandlung ist insofern von Relevanz als er den „symbolischen Raum der Literatur nicht mehr ausgehend vom originären Zentrum eines reflexiven Erfahrungssubjektes“[1] fasst, sondern an die Stelle bewusstseinsphilosophischer und medienanthropologischer Metareflexion tritt bei Lotman der Raum als Erzeugnis kulturell bestimmter Zeichenverwendungen. Dadurch hebt sich Lotman klar von den subjektsbezogenen Ansätzen eines Schmarsows oder Herrmanns ab.


[1] Lüdeke, Roger (2006): Ästhetische Räume. Einleitung. In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.) (2006): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Suhrkamp: Frankfurt/Main, S. 457

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Herrmann, Max (1931); „Das theatralische Raumerlebnis“

Herrmanns Überlegungen zum „theatralischen Raumerlebnis“ kann als zentrales Gründungsdokument einer Theaterwissenschaft verstanden werden, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegenüber der Literaturwissenschaft programmatisch für unabhängig erklärte. Herrmann distanziert sich von der klassischen Vorstellung, dass der theatralische Raum mit dem Bühnenraum und der dramatische Raum des theatralischen Textes als Aufführungsgrundlage identisch ist. Dadurch gelingt Herrmann die Abgrenzung zur klassischen positivistisch-quellengeschichtlich geprägten Theatergeschichte dessen vorrangiges Interesse den geschichtlich variablen Formen des Bühnen- und Besucherraums gilt. Herrmann, Max (1931); „Das theatralische Raumerlebnis“ weiterlesen